Blickpunkt Jöllenbeck

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Volkstrauertag
Anlässlich des Volkstrauertages, am Sonntag, 18. November 2018, lädt der Sozialverband Deutschland, Ortsverband Jöllenbeck, um 11.15 Uhr, im Gedenken an die Toten der Kriege, zu einer Gedenkfeier in die Aula der Realschule Jöllenbeck, Dörpfeldstraße, ein.
Das Programm gestaltet der Feuerwehrmusikzug Bielefeld, der Posaunenchor Jöllenbeck und die Sängergemeinschaft Jöllenbeck.
Der Historiker Friedhelm Schäffer aus Jöllenbeck wird kurz zu dem Schicksal der jüdischen Familie Wertheimer referieren.
Die Ansprache zum Volkstrauertag hält Pastor Michel.
Die Feierstunde findet ihren Abschluss mit der Kranzniederlegung am Ehrenmal.
Abweichend von den gewohnten Abläufen werden wir uns in diesem Jahr danach noch zum Gedenkstein für die jüdische Familie Wertheimer Jöllenecker Straße/Ecke Husemanns Kamp begeben. Mit der Gedenktafel, die der Heimatverein dort hat anbringen lassen, wird an das Unrecht erinnert, das dieser Familie durch die Nationalsozialisten zugefügt wurde.
Vor Ort möchten wir eine Gedenkminute einlegen. Schülerinnen und Schüler der Realschule Jöllenbeck bereiten sich auf diesen Anlass vor und gestalten den weiteren Ablauf des Gedenkens.
Für diejenigen, die einen Fahrdienst benötigen, steht dieser auf dem Parkplatz der Schule bereit. Ebenfalls stehen bei Bedarf Klappstühle zur Verfügung.
Es würde uns freuen, wenn sich viele Jöllenbecker  an dieser Gedenkfeier beteiligen würden.             Marianne Ruh, SoVD

  
Quartierszentrum Oberlohmannshof
Viele Jöllenbecker kennen den Oberlohmannshof nur von 'draußen' und vielleicht noch aus Erzählungen oder Pressemeldungen. Das Image des Quartiers ist schlecht, viele glauben einen sozialen Brennpunkt zu erkennen. Da der Oberlohmannshof im Vergleich mit anderen Ortsteilen in Bielefeld noch vergleichsweise gut dasteht, sind die Bemühungen der Stadtverwaltung um Fördermittel für den sozialen Stadtumbau in all den zurückliegenden Jahren vergeblich gewesen.
Vor zwei Jahren hat das Sozialdezernat die Mittel für eine Quartierskoordinatorin bewilligt – diese Aufgabe hat Ute Joachim von der Gesellschaft für Sozialarbeit (GfS) übernommen. Dies war nur folgerichtig, ist die GfS doch seit über drei Jahrzehnten vor Ort aktiv. Zusammen mit Mike Bartels, seinerzeit Bezirksbürgermeister, hat Ute Joachim die AG Oberlohmannshof ins Leben gerufen, die sich seitdem in unregelmäßigen Abständen trifft und versucht, erkannte Probleme zu lösen. Durchaus erfolgreich, denn inzwischen tut sich was. Parallel dazu wurde ein Stadtplanungsbüro aus Dortmund beauftragt, ein Konzept für eine nachhaltige Stadtteilentwicklung im Oberlohmannshof zu entwickeln, das Grundlage für neue Förderanträge im kommenden Jahr sein soll.
Von Anfang an stand die Forderung nach einem Quartierszentrum im Raum. Die Wohnungsbaugesellschaft Vonovia zeigte sich aufgeschlossen und hat die Fläche des ehemaligen Heizkraftwerkes als möglichen Standort angeboten. Zunächst wurde als vorübergehende Lösung die Errichtung eines 'Containerhauses' erwogen, aber aufgrund zu hoher Kosten wieder verworfen. Es folgten mannigfaltige Gespräche und Bemühungen, dann hat der Sozialdezernent Ingo Nürnberger die Angelegenheit zu seinem persönlichen Anliegen gemacht. Und jetzt der Erfolg: Mit ca. 1,2 Millionen Euro aus dem Haushalt des NRW-Heimatministeriums kann das Projekt 'Quartierszentrum' endlich Realität werden.
Auch das Konzept des Stadtplanungsbüros sieht ein Quartierszentrum vor und in der Expertenrunde, die unlängst dazu tagte, wurde schnell deutlich, dass ein solches multifunktionales Gebäude die Chance bietet, das Quartier zu öffnen. Damit die Jöllenbecker, die heute freiwillig nicht in den Oberlohmannshof kommen, diesen und seine Bewohner kennenlernen und umgekehrt. Eine zweite solche Chance wird es so schnell nicht geben und daher sind alle aufgefordert, anzupacken und sie zum beiderseitigen Erfolg zu führen.
Jöllenbeck ist es wert!
  
Stadtteilbibliothek Jöllenbeck
blind date mit einem Buch
Letztes Jahr zum ersten Mal ausprobiert: neutral verpackte Bücher warten in der Stadtteilbibliothek in den Wochen vor Weihnachten wieder auf neugierige und dem Reiz des Unbekannten aufgeschlossene Leser*innen. Wie gehabt, verraten lediglich einzelne Stichworte auf dem Einwickelpapier ein wenig, wohin die Lesereise gehen könnte – Roman, Krimi, Dokumentation, dazu wann und wo die Story spielt. „Letztes Jahr hat uns die Nachfrage echt überwältigt, kaum war der Blickpunkt erschienen, war der erste Bücherstapel schon verkauft! Zum Glück konnten wir ordentlich nachlegen und am Ende weit über 100,- € für den Förderverein und damit für Neuanschaffungen erlösen,“ erinnert sich Agnes Rottmann gerne an die gleichnamige Aktion im letzten Jahr.
Sie packen gerne Geschenke aus und lieben dabei die Spannung und Vorfreude auf den unbekannten Inhalt? Dann nix wie los in die Stadtteilbibliothek zu Ihrem ersten/nächsten blind date mit einem Buch.
Mit nur 2,-€ sind Sie dabei. Die Aktion startet jetzt!
Die Stadtteilbibliothek in Jöllenbeck wird in Gänze ehrenamtlich betrieben. Jedes Jahr leihen die Jöllenbecker über 30.000 Bücher und Filme aus. Der Sichtbestand umfasst etwa 9.000 Titel, über ein Online-System können Sie darüberhinaus jedes Buch aus der Stadtbibliothek im Amerika-Haus bequem  bestellen, es wird dann angeliefert. Einmal im Jahr veranstaltet die Stadtbibliothek einen Vorlesewettbewerb für Grundschüler und in unregelmäßigen Abständen Führungen für Gruppen aus Kitas und Grundschulen. Ende Oktober gab es die erste 'Weinlese' im Heimathaus.
Herzlichen Dank für dieses ehrenamtliche Engagement!
Das Team öffnet die Stadtteilbibliothek dienstags, mittwochs, freitags und am Sonnabend von 10 bis 13.00 Uhr, von Dienstag bis Freitag auch nachmittags von 15 bis 18.00 Uhr.
  
Alles, was ständig im Gebrauch ist, bedarf hin und wieder der Reparatur oder gar der Erneuerung. Das gilt nicht nur für Gegenstände und Einrichtungen in unserem Alltag, sondern auch für ein Staatswesen wie die Bundesrepublik Deutschland. Die Zeiten ändern sich und bringen neue Herausforderungen für das gesellschaftliche Zusammenleben, auf die die Politik mit neuen Ideen und Maßnahmen reagieren muss. Das ist in der politischen Diskussion nicht strittig. Worüber man streiten kann und auch muss, ist die Frage, wo mit Vorrang anzupacken ist und wie zu „reparieren“ oder zu „erneuern“ ist, um gravierende Fehlentwicklungen und Schäden in unserem Gemeinwesen aktuell zu beheben oder zukünftig zu vermeiden.
So gesehen kann man die Bundesrepublik Deutschland im übertragenen Sinne als eine Baustelle betrachten, auf der es viel zu tun gibt. In unserer Seminarreihe wollen wir deshalb auf bedeutsame aktuelle Entwicklungen in unserer Gesellschaft blicken und fragen, welcher politische Handlungsbedarf sich daraus ergibt – was mit Vordringlichkeit zu tun ist. Um das mit ausgewiesenen Fachleuten zu erörtern, laden wir wieder zu sechs Seminar-abenden ein.
Das Kuratorium
•     Mittwoch, 14. November, 20 Uhr:
Rechtsrutsch in Deutschland – Was ist zu tun?
     Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer, Universität Bielefeld: Institut für interdisziplinäre Konflikt-und Gewaltforschung
•     Mittwoch, 28. November, 20 Uhr:
Einwanderungsland Deutschland – Wie stellen wir uns der Zuwanderung?
     Dr. Christian Ulbricht, Universität Bielefeld: Arbeitsbereich „Transnationalisierung und Entwicklung“ der Fakultät für Soziologie
•     Mittwoch, 9. Januar, 20 Uhr:
Soziale Ungleichheit – wie es dazu kommt, was sie anrichtet und was man dagegen tun sollte
     Prof. Dr. Martin Diewald, Universität Bielefeld: Professur für Sozialstrukturanalyse an der Fakultät für Soziologie
•     Mittwoch, 23. Januar, 20 Uhr:
Digitale Welt – Wie revolutionär ist die digitale Revolution?
     Prof. i. R. Dr. Ipke Wachsmuth, Universität Bielefeld: CITEC,
Technische Fakultät
•     Mittwoch, 6. Februar, 20 Uhr:
Kriminalität in Deutschland – Wie ist die Lage, was ist zu tun?
     Dr. Christian Walburg, Universität Münster: Institut für Kriminal-wissenschaften der Rechtswissenschaftlichen Fakultät
•     Mittwoch, 20. Februar, 20 Uhr:
Baustelle Deutschland – Was erwarten wir von der Politik?
     Offener Diskussionsabend – Leitung: Dr. Alois Herlth, Jöllenbeck

Alle Seminarabende finden statt im Gemeindehaus der ev. Kirchengemeinde, Schwagerstraße 14, 33739 Bielefeld – Jöllenbeck. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Kontakt:   Wilfried Husemann, Am Brinkkotten 16, 33739 Bielefeld,
               Tel.: (05206) 5724
               Alois Herlth, Tel.: (05206) 5598, E-Mail: ua.herlth@online.de
Sozialseminar der Ev.-Luth. Versöhnungs-Kirchengemeinde Jöllenbeck 2018/2019
Baustelle Deutschland – Was ist zu tun?
  
Mobilitätswende
‚Disruptiv‘ ist ein Lieblingswort der Start-Up-Szene, wo Geschäftsprozesse immer dann besonders erfolgreich erscheinen, wenn sie mit dem Althergebrachten möglichst radikal brechen, alles umkrempeln, keinen Stein auf dem anderen lassen. Wir sind alle Teil solcher disruptiven Prozesse: der Online-Handel verändert das Einkaufsverhalten, besiegelt das Ende vieler Einzelhändler und führt zu einem Boom der Paketdienstleister. Durch Uber könnte quasi jeder Autofahrer zu einem Taxifahrer werden, zu Lasten der professionellen Taxiunternehmen, die zumindest bestimmte Standards einhalten müssen und wirklich immer fahren, bei Eis und Schnee, am frühen Morgen nach Sylvester.
Disruptiv könnte auch die Mobilitätswende werden und die geht wirklich alle etwas an. Kein Thema beschäftigt die lokale Politik so sehr wie der Verkehr. Lärm, Stau, Verkehrsführung, der Mobilitätsmix – keine Bezirksvertretungssitzung in Jöllenbeck ohne das dieser Bereich berührt würde. Wenn es gelingen könnte, die Mobilitätswende in diesem Stadtbezirk tatsächlich zu leben und umzusetzen, würde dies über Jöllenbeck hinaus wirken. Mit etwas guten Willen können wir das schaffen. Dieser Artikel kann das Thema nicht umfassend behandeln, aber einige Facetten beleuchten.
Über 40.000 berufliche Einpendler aus dem direkten Umland verzeichnet Bielefeld pro Tag, mehrheitlich unterwegs mit dem eigenen Auto. Diesen 40.000 stehen im gesamten Stadtgebiet 500 P+R-Stellplätze gegenüber. Die Lösung kann jetzt nicht sein, tausende neuer Stellplätze anzulegen. Aber wer sich aus Spenge und Enger auf den Weg macht, plant heute seine Fahrt bis zum Ziel, denn ein planmäßiges Umsteigen in den ÖPNV ist unterwegs kaum möglich. So errichtet man psychologische Barrieren. Eine mäßige Erweiterung von P+R-Flächen sollte man also zumindest diskutieren. Wobei diese durchaus bewirtschaftet werden können: in Hamburg kostet die Monatskarte für einen P+R-Stellplatz 25,- €, das ist zumutbar. Dieses Konzept zieht nur dann, wenn der Übergang in ein attraktives ÖPNV-Netz gegeben ist, was für unseren Stadtbezirk leider nicht zutrifft. Selbst bei wohlmeinender Betrachtung kommt man nicht umhin festzustellen, dass die Stadtbezirke in Bielefeld sehr unterschiedlich erschlossen sind. Während in Altenhagen die Stadtbahn mitten auf dem Feld hält (Foto unten), um Fuchs und Hase zusteigen zu lassen, stehen jeden Morgen in Jöllenbeck Schulkinder im Dreck direkt am Straßenrand und warten auf ihren Bus, der häufig genug Verspätung hat. An dieser Stelle würde kein verantwortungsbewusster Autofahrer einen Mitfahrer aussteigen lassen. Der Antrag der Bezirksvertretung, diese ‚Haltestelle‘ doch bitte zumindest zu beleuchten, wurde von der Verwaltung dahingehend beschieden, den Mast auf der gegenüberliegenden Seite mit einer stärkeren Leuchte auszustatten, das wäre ausreichend. Achten Sie mal darauf (Deliusstraße). Diese ‚Lösung‘ war schnell und preiswert aber wirkungslos. Sicher ein extremes Beispiel, aber durchaus ein Hinweis auf die Wertschätzung der eigenen Kunden durch die Nahverkehrsbetreiber. Wenn 40.000 überzeugt werden sollen, das Auto stehen zu lassen, muss das Angebot des ÖPNV  insgesamt stimmen. Auch preislich! In Wien kostet die Jahreskarte inzwischen nur noch 365,- €, was die Nutzerzahlen sprunghaft ansteigen ließ.
Eine Stadtbahn nach Jöllenbeck würde den Anschluss von Jürmke an die Zukunft symbolisieren. Damit möglichst viele Menschen die nächstgelegene Stadtbahnhaltestelle fußläufig erreichen können, müsste die Trasse quasi in Schlangenlinien durch den Ort geführt werden. Das wird nicht passieren. Also werden auch in Zukunft Busverkehre als Zubringer benötigt. Lassen Sie vor Ihrem geistigen Auge eine leistungsfähige Endhaltestelle der Stadtbahn entstehen: alle fünf Minuten kommt/fährt die Bahn, dazwischen die kleineren Busse, die das Quartier bedienen, weiterhin die normalen Busse, die in den Kreis Herford fahren, ausreichend überdachte Stellplätze für Fahrräder und ein P+R-Platz für vielleicht 200 Fahrzeuge. Beim besten Willen sehe ich keine dafür geeignete innerörtliche Fläche. Kleiner denken wäre in diesem Zusammenhang leider fatal, weil zu kurz gesprungen, das mögliche Potential würde nicht abgerufen. Gegenüber der Westfalen-Tankstelle an der Jöllenbecker Straße könnte es gehen. Bei den bisherigen Planungen und Gedankenspielen blieb Vilsendorf unberücksichtigt. Insofern sollte man eine Verlängerung der Linie 1 über Vilsendorf, Theesen nach Jöllenbeck ebenfalls in Betracht ziehen.
Ähnlich der Deutschen Bahn, die die täglichen Güterströme im Land nie allein bedienen könnte, könnte auch moBiel aktuell die 40.000 nicht zusätzlich befördern. Das neue Zauberwort lautet daher ‚Radverkehr‘. Ehrlich gesagt kann man sich tausende weiterer Fahrräder auf der Straße schon eher vorstellen, als hunderte zusätzliche Busse. Schön ist auch: jeder kann sofort damit anfangen, vorausgesetzt der seit Jahren platte Hinterreifen ist geflickt, die Beleuchtung einer kritischen Prüfung unterzogen und die Bremsen gleich mit. Es geht auch ohne Pedelec/E-Bike, wobei letztere wunderbar helfen, den eigenen Schweinehund zu besiegen. Das Radwegenetz ist allen Unkenrufen zum Trotz in Bielefeld viel besser als sein Ruf, wenn man sich kundig macht und eben nicht mehr nur die gleichen Strecken nimmt, die man als Autofahrer gewöhnt ist. Im Zuge der Jahnplatzerneuerung soll das Jahnplatzforum zu einem großen Fahrradparkhaus mit zusätzlichen Serviceeinrichtungen umgebaut werden, ein ambitioniertes Vorhaben, das den Fahrradverkehr in der Stadt beleben wird.   
Was sich bei der konsequenten Nutzung des Fahrrades disruptiv ändern wird, sind viele Dinge in dem täglichen Leben. Dies lässt sich schon heute bei der Bevölkerung jener Städte beobachten, die in diesem Prozess schon weiter sind, z.B. Kopenhagen oder Malmö. Kinder werden seltener zur Schule kutschiert, sondern lernen früh, sich sicher im Straßenverkehr zu bewegen (mit oder ohne Rad) – wobei das Wort ‚bewegen‘ dabei eine doppelte Bedeutung hat. Einkäufe werden zunehmend bei Nahversorgern erledigt, kleine Läden um die Ecke erhalten wieder eine Chance. Die Autos verschwinden nicht, aber mindestens der Zweitwagen wird überflüssig. Auf dem Rad nimmt man seine Umwelt mit allen Sinnen wahr und man wird auch selbst als Person wahrgenommen. Schnell mal anhalten, absteigen, ein Gespräch beginnen ist ganz einfach. Nicht zuletzt verbessert die regelmäßige Bewegung die eigene Fitness und Gesundheit.
Natürlich ist auch das Fahrrad keine Lösung für jeden und alles. Die Mischung macht es. Der Ausbau bzw. die Veränderung der Verkehrsinfrastruktur in diesem Stadtbezirk sollte genau darauf fokussieren: der Mischung Vorfahrt gewähren. Und es wird langsam Zeit, für Jöllenbeck ein zukunftsfähiges Nahverkehrskonzept zu entwickeln, nicht das plötzlich Fördermittel winken, die mangels Plan nicht abgerufen werden können. Jöllenbeck ist es wert und ein besserer ÖPNV wertet auf.
Begeisterung
Heidi Syassen verlässt die städt. Kita Oberlohmannshof – eine Ära geht zu Ende, aber ihre Wirkung wird bleiben.
Aufgewachsen in Wuppertal beginnt sie als Erzieherin in einem ev. Kindergarten in Gladbeck und bekommt noch im Anerkennungsjahr die Leitung übertragen, danach wechselt sie zu einem weiteren Kindergarten in Gladbeck. 1979 tritt sie ihre erste Stelle in dem Kindergarten am Oberlohmannshof an, seinerzeit mit drei Gruppen, Kindergartenkinder (bis 12 Uhr), eine Gruppe Kita-Kinder über Mittag und Hortkinder. Nach viereinhalb Jahren übernimmt sie die Leitung und prägt seitdem die pädagogische Arbeit und den verantwortungsvollen Umgang in ihrem Team nicht nur vor Ort, sondern durch ihr intensives fachpädagogisches Engagement weit über die Grenzen von Bielefeld hinaus: Seit dreißig Jahren vermittelt Heidi Syassen in der Fachkräfteausbildung in ganz Deutschland gemeinsam mit dem Trainernetzwerk INCONTRO pädagogische Konzepte inspiriert von dem humanistischen Weltbildes von Dialog Reggio. Zudem nimmt sie einen Lehrauftrag der FH Bielefeld wahr.
Aufgrund baulicher Mängel wurde Ostern 2010 der Neubau der Kita begonnen, der nach 15 Monaten abgeschlossen war. In der Zeit „überwinterte“ die Kita in umgebauten Wohnungen an der Orionstraße. Finanziert wurde der Neubau durch Zuschüsse aus dem Konjunkturpaket II. Vom ersten Moment an ist Heidi Syassen in die Konzeption der neuen Kita einbezogen und findet in dem Architekten Hölterhoff einen sinnesverwandten Partner, der ihre Philosophie baulich umsetzt. In dem Neubau nimmt ihr pädagogisches Wirken noch einmal Schwung auf. Dabei sieht sie sich in erster Linie als jemand, der sich kümmert, der immer für die Menschen da ist: für die ihr anvertrauten Kinder, für die (angehenden) Erzieherinnen und Erzieher, deren Aus- und Weiterbildung ihr Herzensthema ist und nicht zuletzt für die Eltern. Seit jeher fördert Heidi Syassen das projektorientierte Arbeiten, so dass die Einrichtung inzwischen über mehr als 150 dokumentierte Projekte verfügt, die stets als Anleitung oder Referenz herangezogen werden. Dies bleibt nicht unentdeckt und so geben sich in dem Neubau bald viele Besucher aus dem ganzen Land die Klinke in die Hand, was den damaligen Sozialdezernenten Tim Kähler zu der Aussage bringt:
Die Kita Oberlohmannshof ist ein Leuchtturm in NRW
Aber es ist das gewachsene Miteinander, das durch Partizipation gekennzeichnet ist, welches die besondere Stärke der Kita Oberlohmannshof darstellt. Eine Partizipation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter  in der Kita, der Eltern (Förderverein), der Kinder und auch anderer Akteure aus dem Quartier. So gründet Heidi Syassen zusammen mit Frank Perlitz von der GfS die Stadtteilkonferenz, eine Einrichtung, die bis heute erfolgreich in ganz vielen sozialen Fragen still im Hintergrund aktiv ist. Sieben Jahre erscheint die professionell aufgemachte Kindergartenzeitung KITAnews, gestaltet von Wiebke Quermann. Heidi Syassen gründet einen Chor, dessen thematische Klammer lautet: deutsches Volksliedgut trifft auf Lieder anderer Länder (Probe jeden 2. Mittwoch im Familienzentrum, Neumitglieder sind immer willkommen).
Eine Stärke der Einrichtung ist mit Sicherheit die bunte Mixtur der Kinder, die aus allen gesellschaftlichen Schichten und aus vielen Kulturen jeden Tag in der Steinbockstraße zusammenkommen. Vor vielen Jahren war Beate Köhler hier ebenfalls Kindergartenkind. Später hat sie in dieser Einrichtung ihr Praktikum und ihr Anerkennungsjahr absolviert, dann als Erzieherin gearbeitet, die Gruppenleitung übernommen. An der Uni Münster hat Beate Köhler berufsbegleitend eine heilpädagogische Ausbildung absolviert und eine weitere Zusatzqualifikation mit dem Titel „PreSchool-gifted Education“. Die Idee dahinter lautet, dass jedes Kind eine besondere Begabung hat und diese wenn möglich so früh es geht gefunden werden sollte. Jetzt folgt Beate Köhler in der Leitung auf Heidi Syassen!
Natürlich hat Heidi Syassen auch einen professionellen Blick auf die Eltern. Zunächst muss sie feststellen, dass in immer mehr Familien beide Elternteile arbeiten gehen müssen, weil es sonst am Monatsende nicht reicht. Heute wie früher wollen Eltern für ihr Kind das Beste, es ist ja auch ihr liebstes. Was sich geändert hat, ist die Einsicht, dass sie als Eltern ihren Kindern nicht die Förderung angedeihen lassen können, die diese in der Kita erhalten. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die Erzieherinnen echte „Profis“ sein müssen, immer auf der Höhe der Zeit. Zeit müssen selbstverständlich auch die Eltern in die Erziehung ihrer Kinder hinenstecken, wobei eben diese Zeit eine andere Qualität hat. Kinder brauchen nach Auffassung von Heidi Syassen Zuwendung von Menschen, die sie als Modell für sich verstehen können. Zuwendung sollte aber auch beinhalten, mit den eigenen Kindern lebenspraktische Dinge zu erleben und weiterzugeben, auch im Alltag Vorbild sein.
Und vor allem: immer mit Begeisterung dabei sein!
  
Eine Wiese ist eine Wiese ist ...
Mitten in Jöllenbeck gedeiht eine Gräsermischung der besonderen Art, üppig, dicht, fast ein Meter hoch, dazwischen zirpt und krabbelt es.
Gemeint ist die ehemalige Festwiese hinter dem Kleinbahnhof. Ältere Jöllenbecker werden sich erinnern, hier wurden rauschende Feste gefeiert, hier standen der Auto-Scooter und das Zelt der Gewerbeschau beim Klön oder das große Festzelt der Feuerwehr. Hier unternahm die Familie Schneider noch zweimal den Versuch, eine Frühsommerkirmes zu etablieren. Alles Geschichte. Eingestellt mangels Publikumsnachfrage. Und nun? Eine Brachfläche, für die sich niemand zuständig fühlt?
In erster Näherung würde jeder sagen, eine Wiese ist eine Wiese und damit eine Grünfläche. Für die Unterhaltung des öffentlichen Grüns in der Stadt Bielefeld ist der Umweltbetrieb zuständig und der macht seine Sache gut, wie man an vielen anderen Stellen sehen kann. Wo ist das Problem?
Das Problem ist: diese Fläche ist nicht als öffentliches Grün festgesetzt, sondern wird als Fläche für die mögliche Endhaltestelle der Stadtbahn vorgehalten. Der Eigentümer in der Rechtsnachfolge des Amtes Jöllenbeck ist der Immobilien-Servicebetrieb (ISB) der Stadt Bielefeld. Und der ISB mäht keine Wiese. Vorbei die Zeit, wo das Bezirks-amt Jöllenbeck noch über eigene Mitarbeiter verfügen konnte, die das öffentliche Grün im Stadtbezirk pflegten und eben mal nebenbei die Festwiese gemäht haben.
Vorbei auch die Zeit, in der Günther Schneider als Mitarbeiter des Bezirksamts die Fläche in eigener Initiative in Ordnung gehalten hat, weil er sich dem öffentlichen Auftrag persönlich verpflichtet fühlte und in seiner Vorstellung eine ungepflegte Festwiese ein schlechtes Bild auf das Bezirksamt geworfen hätte. Indem Günther Schneider in den Ruhestand wechselte, endete diese regelmäßige Pflege.
Nun könnte der ISB einfach den Umweltbetrieb beauftragen. Dies ist unmittelbar mit Kosten verbunden und daher bislang unterblieben. Jetzt soll sich das ändern, die finanziellen Mittel sind vorhanden. Im Herbst wird der Umweltbetrieb auf der Festwiese eine mehrjährige Wildkräutermischung einbringen, die fortan eine hübsche Blütenpracht hervorbringen soll. Tests auf anderen Flächen in der Stadt mit dieser Blumenmischung sind sehr erfolgversprechend verlaufen.  Zusätzlich ist angedacht, einige Obstbäume zu pflanzen, deren Früchte von den Bürgern geerntet werden können. Und eventuell werden auch noch ein/zwei Bänke aufgestellt, damit der alte Festplatz so etwas wie eine Aufenthaltsqualität erhält. Auch eine Nutzung im Rahmen von urban gardening kann sich der ISB vorstellen, hier ist die Phantasie der Jöllenbecker gefragt, sich diesen öffentlichen Raum neu anzueignen, zu nutzen und zu gestalten.
So könnte aus dem ehemaligen Festplatz noch eine schmucke Blumenwiese werden, eine Augenweide im Ortskern. Denn bis die Stadtbahn hier hält dauert es doch noch etwas.
  
Tag des offenen Hofes
Zukunft ist für viele Menschen Technik und Insekten essen. Der Tag des offenen Hofes adressierte dieses Jahr gleich mehrere der Themen, die sich hinter dem einleitenden Satz verbergen.
Die Veranstaltung des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Herford-Bielefeld am 10. Juni auf den Höfen Döpke-Vahle, Dreekmann, Schulze und Schulte-Döinghaus an der Beckendorfer Straße in Jöllenbeck war überaus professionell organisiert. Auf allen vier Höfen warteten zahlreiche Informationsstände und viele ehrenamtliche Helfer auf die Besucher. War frühmorgens noch ein Schauer über Jöllenbeck hinweg gezogen, klarte es pünktlich zum Gottesdienst um 10 auf, der dann auch mutig im Freien abgehalten wurde. Pfarrer Dr. Kersting hatte das Thema „Da blüht Dir/uns was!“ in den Mittelpunkt seiner Predigt gestellt. Vor dem Hintergrund des dramatischen Insektensterbens in der Bundesrepublik appellierte er an unsere Verantwortung gegenüber der Schöpfung und der Zukunft. Er forderte jeden einzelnen auf, sich dieser Verantwortung zu stellen und aktiv zu werden. Ein erster kleiner Schritt, den quasi jeder unternehmen könne, wäre die Aussaat von heimischen Wildblumenkräutern, um ein Nahrungsangebot für zahlreiche Insekten, nicht nur für die Wildbienen, zu schaffen. Dazu bedürfe es nicht eines eigenen Gartens, ein Balkonkasten oder ein kleiner Pflanzkübel vor der Haustür können genausogut ein Anfang sein. Für den Start erhielt jeder Teilnehmer des Gottesdienstes eine kleine Samentüte.
Ein Schritt zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft wäre in dieser Hinsicht eine flächendeckende Umsetzung der Ideen, die bereits vor 25 Jahren in dem Bielefelder Ackerrandstreifen-Programm formuliert wurden. Denn einzelne, weit verstreut in der Landschaft befindliche Blühstreifen oder Brachflächen werden es nicht richten können. Nur ein umfassendes Netzwerk dieser kleinräumigen Rückzugsorte, die im besten Fall dann unsere Kulturlandschaft mit prägen können, bietet hinreichend Chancen für Wildkräuter, Insekten, Vögel und Kleinsäuger, in der von konventioneller Landwirtschaft geprägten Umwelt zu überleben.
Oberbürgermeister Pit Clausen stellte im Anschluss zwei Dinge in den Fokus seines Grußwortes. Er machte deutlich, dass die Landschaft rings um Bielefeld mit Recht als Kulturlandschaft angesehen werden muss. Seit Jahrhunderten vom Menschen geprägt, entspricht sie nirgendwo mehr dem Zustand, bevor die ersten Ansiedlungen gegründet wurden. Nichtsdestotrotz übt auch diese Kulturlandschaft auf den modernen Menschen einen besonderen Reiz aus, man fühlt sich in der „Natur“ und dies gilt beileibe nicht nur für den Städter. Clausen thematisierte dabei die Problematik, dass ein wachsendes Bielefeld auch in die Kulturlandschaft hinein wächst, wobei im Vergleich zu früheren Entwicklungen die Sensibilität bei Eingriffen in Natur und Landschaft enorm geschärft wurde. Die Möglichkeit, einen landwirtschaftlichen Betrieb, die Menschen, die Produkte und auch die Produktionsweisen kennenzulernen und einen Überblick zu gewinnen, welche regionale Vielfalt in der Landwirtschaft gelebt wird, stand für den OB jedoch im Vordergrund. Er berichtete, dass er als Konsument gerne den Weg zu den direkt vermarkteten Obst-, Gemüse- und Fleischerzeugnissen sucht. Und er nimmt erfreut zur Kenntnis, dass in vielen Supermärkten regionale Produkte nicht mehr nur ein Schattendasein führen. Der Tag des offenen Hofes sollte über das Kennenlernen hinaus zu einem besseren gegenseitigen Verständnis führen.
Auf einem Rundgang über die vier Höfe hatten die zahlreichen Besucher den Tag über Gelegenheit, auch eher unbekannte Facetten der Landwirtschaft zu entdecken. Da wurden Schafe geschoren und man darüber aufgeklärt, dass diese inzwischen nicht mehr von einem Schäfer durch das Ravensberger Hügelland geführt würden, sondern auf wechselnden eingezäunten Flächen weiden. Ungewöhnlich auch das Heizmaterial, was vor Ort aus Elefantengras (Miscanthus) gewonnen wird. Die Kultur dieser Pflanzen, die jährlich geerntet und zu Heizschnitzeln verarbeitet werden, kann man südwestlich der Beckendorfer Straße sehen.
Mitarbeiter der biologischen Station Bielefeld-Gütersloh informierten über das Kiebitz-Schutzprogramm, das in diesem Jahr durch Zuwendungen der Stadtwerke-Stiftung fortgeführt werden kann, nachdem die neue Landesregierung die Förderung eingestellt hat. Von der Johannisbachaue bis Lenzinghausen siedeln diese Bodenbrüter noch vereinzelt hier im Norden der Stadt. In Zusammenarbeit mit den betroffenen Landwirten werden die Gelege geschützt mit dem Ziel, wieder eine sich selbst erhaltende Population zu erreichen (der Blickpunkt berichtete).
Die Wasserwerker der Stadtwerke Bielefeld stellten das Monitoring-Programm vor, mit dem die Qualität des Grund- und Trinkwassers überwacht wird. Auch hier gibt es eine enge Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft. Wie wichtig das ist, wurde gerade erst wieder deutlich, als die Bundesrepublik für das unzureichende Gesetzeswerk und den zu laxen Umgang mit der Problematik des übermässigen Ausbringens von Gülle und der daraus resultierenden gesundheitsgefährdenden Nitratwerte im Grundwasser verklagt wurde. Dies Problem kann schnell sehr teuer werden. Pro Haushalt sind Mehrkosten für die Trinkwasseraufbereitung in Höhe von bis zu 140,- € im Jahr in der Diskussion. Die mögliche Strafe für die Bundesrepublik betrögt 250.000,- €. Pro Tag.
Die Stiftung Warentest hat im vergangenen Monat alkoholfreie Biere getestet und in vielen überraschend Rückstände von Glyphosat gefunden, jenes Totalherbizid, das möglicherweise das Insektensterben mit verursacht. Nun ist das Miteinander von Raupe und Salatblatt im Gemüsebeet kein Beispiel für friedliche Koexistenz. Im übertragenen Sinn gilt dies für alle Nutzpflanzen. Die Balance zwischen einem optimierten Ertrag und der dafür eingesetzten Mittel muss immer wieder neu austariert werden. Veranstaltungen wie der Tag des offenen Hofes können dazu beitragen, ein besseres Verständnis für die Situation in der Landwirtschaft zu entwickeln, auch die Bemühungen im konventionellen Anbau zu erkennen, denn die Menschen, die ihre Höfe über Generationen hinweg bewirtschaften, sind sich ihrer besonderen Verantwortung durchaus bewusst.
Uns Verbrauchern muss klar sein, dass mehr Artenvielfalt in der Kulturlandschaft, weniger Rückstände von Giftstoffen in unseren Lebensmitteln und veränderte Bedingungen in der Tierhaltung nicht umsonst zu haben sind. Wer stets auf den niedrigsten Preis schielt, nimmt die Zerstörung der Natur billigend in Kauf. Gefordert ist auch die Politik, die die Rahmenbedingungen in der Landwirtschaft setzt.
  
Stiftung der Stadtwerke Bielefeld fördert Kiebitzschutz in Bielefeld
Die Stiftung der Stadtwerke Bielefeld unterstützt ab März die Biologische Station Station Gütersloh/Bielefeld e. V.. Die auf drei Jahre angelegte Förderung ist für den Kiebitzschutz in Bielefeld.
Ziel des Projektes ist es den Kiebitz, als typische Vogelart des bäuerlichen Kulturlandes auf Dauer in Bielefeld als Brutvogel zu erhalten. Der Kiebitz hat in den letzten Jahren stark im Bestand abgenommen, nicht nur in Bielefeld sondern auch in NRW und Deutschland insgesamt. In Bielefeld brüteten 2007 noch 50 Paare, 2016 waren es nur noch 24 Paare, 2017 33 Paare. Als Hauptgrund für den rapiden Rückgang wird die Intensivierung in der Landnutzung angesehen, die durch Zunahme von Monokulturen, Verlust von Feldrainen und Brachflächen zu einer Strukturarmut in der Feldflur führt. Dies wirkt sich negativ auf die Nahrungsverfügbarkeit für die Feldvögel aus. Zudem sind die Gelege von bodenbrütenden Arten wie dem Kiebitz, durch die vielen Bearbeitungsgänge bei der Feldbestellung stark gefährdet. Ohne den Schutz der Gelege wird ein Großteil schon vor dem Schlupf der Jungen zerstört. Deshalb ist es wichtig, in enger Absprache und Zusammenarbeit mit den Landwirten, die Nester vor der Zerstörung zu bewahren.
Die Biologische Station wird zu Beginn der Brutzeit des Kiebitzes die zu einem großen Teil bekannten Brutgebiete kontrollieren und weiteren Meldungen zum Beispiel aus der Landwirtschaft nachgehen, Kiebitzbrutpaare feststellen und die Lage der Nester sondieren.
Die Nester werden in Absprache mit den Flächenbewirtschaftern durch Bambusstöcke, die fünf Meter vor und hinter dem Gelege angebracht werden, optisch markiert. Auch eine weitere regelmäßige Kontrolle der Niststandorte während der Brutzeit ist notwendig, um abschätzen zu können, ob bzw. wann die Jungen schlüpfen.        
Kiebitzschutz auch in Jöllenbeck
Der eine oder andere wird vielleicht denken „dafür ist Geld da“, wenn er der obenstehenden Meldung entnimmt, dass die Stadtwerke-Stiftung den Kiebitzschutz in Bielefeld für drei Jahre finanzieren wird. Pro Jahr werden 9.500,-€ aufgewendet, um das völlige Verschwinden dieses Vogels aus unserer Stadt zu verhindern. Das sind etwa 250,-€ pro Kiebitz-Paar, die notwendig sind, weil menschliche Eingriffe in die Natur und ihre bedenkenlose Nutzung diese Tiere hier an den Rand der Ausrottung treiben. Hier sollte sich jeder angesprochen fühlen, der „in der freien Natur“ wandert bzw. spazieren geht. Denn es ist besonders ärgerlich, wenn erfolgversprechende Brutversuche scheitern, weil herumlaufende Hunde die Tiere aufscheuchen oder die Gelege zerstören, wie es in der Johannisbachaue geschehen ist. Das ist sogar noch ärgerlicher, da der Kiebitz an und für sich gerade diese feuchten Untergründe bevorzugt. Das die Tiere auf Maisstoppel brüten ist ein unübersehbarer Hinweis darauf, dass sie von ihren angestammten Habitaten vertrieben werden, bzw. diese nicht mehr vorfinden.
Im November-Heft des letzten Jahres hatte der Blickpunkt bereits über den Kiebitz-Schutz berichtet (nachzulesen im Internet unter www.blickpunkt-joellenbeck.de). Im vergangenen Jahr haben dreiunddreißig Brutpaare gerade mal sechs Jungvögel durchgebracht. Das ist nicht bestandserhaltend. Im Gespräch mit Jöllenbecker Landwirten haben diese klar zu erkennen gegeben, dass sie die weitere Zusammenarbeit mit der biologischen Station im Rahmen des Kiebitzschutzes befürworten. Denn aus Sicht der Landwirte kommen die Gelege auf den unterschiedlichen Äckern (Mais, Zuckerrübe) unerwartet, die Expertise der Umweltschützer wird aktiv nachgefragt. Zudem ist ein effektiver Schutz der Gelege, sofern man ihren Standort ausgemacht hat, hinsichtlich der Gefährdung durch landwirtschaftliche Maschinen ohne größere Probleme möglich. Der Schutzgedanke und seine Notwendigkeit wird von den hiesigen Landwirten eindeutig bejaht und unterstützt. Zusammengenommen könnte es reichen, den Kiebitzbestand in Bielefeld wieder zu stabilisieren. Noch einen Schritt weiter käme man mit Flächen, die unter dem Stichwort „Vertragsnaturschutz“ nicht oder kaum noch bewirtschaftet werden und als Refugium für die Tier- und Pflanzenwelt dienen, nicht nur für den Kiebitz. Dies ist innerhalb einer Großstadt ein heikles Thema, jeder wird das verstehen, der die aktuelle Diskussion um mehr Wohnraum, mehr Gewerbeflächen und mehr Straßen in dieser Stadt verfolgt. Denn nahezu jede Fläche, die eine dieser aufgezählten Nutzungen zugeführt wird, fehlt als landwirtschaftliche Nutzfläche.
Zusammengefasst sind die Mittel der Stadtwerke-Stiftung gut investiert und es bleibt abzuwarten, wie sich die Kiebitzpopulation in den kommenden drei Jahren entwickelt. Auf jeden Fall wird auch danach ein Schutz der Gelege notwendig bleiben. Von Lenzinghausen über Vilsendorf bis zur Johannisbachaue sind die Vögel schon jetzt wieder anzutreffen, auch südlich des Köckerwaldes wurden sie gesichtet. Eine wertvolle Bereicherung der Flur in unserem Stadtbezirk.
  
Da schafft ein einzelner Schüler zum wiederholten Mal nicht die Versetzung nach der sechsten Klasse, muss die Schule verlassen und landet im Nirwana. Wird dann auch noch nach Hause geschickt, als keine neue Schule gefunden wurde. Der Artikel im letzten Blickpunkt verknüpft dies mit der Werbung für eine Schulform, die im benachbarten Stadtbezirk gegründet werden soll. Es würde suggeriert: Hier eine Schule von gestern mit scheinbar zu wenig individueller Förderung, die sich auch nicht genug kümmert, dort die Verheißung moderner Pädagogik. Etwas verkürzt lauteten so die Vorwürfe, die der Vorsitzende der Elternschaft der Realschule Jöllenbeck und die Schulleitung in einem Gespräch mit dem Unterzeichner äußerten.
In dem Gespräch wurde schnell deutlich: der Fall dieses Schülers ist selten. So selten, dass die Bezirksregierung Detmold hochselbst der Schulleitung in Jöllenbeck empfahl, den Jungen entgegen der bestehenden Schulpflicht nach den Ferien wieder nach Hause zu schicken. Die Gründe dafür waren dem Unterzeichner in der Tat nicht bekannt, die Aussagen vom Amt für Schule und von einem mit solchen Fällen betreuten Juristen hörten sich ganz anders an.
Der Fall dieses Schülers ist insbesondere auch an der Realschule Jöllenbeck selten, da das Kollegium grundsätzlich mehrfach im Schuljahr mit betroffenen Eltern Rücksprache hält und die verschiedenen Optionen gemeinsam abgewogen werden, immer mit dem vorrangigen Ziel, den Schüler an der Realschule zu halten. Die individuelle Förderung ist ein erklärtes pädagogisches Ziel in der Schule und wird von allen Lehrkräften so gelebt. Dies soll an dieser Stelle nachgetragen werden, damit deutlich wird, das die Realschule Jöllenbeck alles in ihrer Kraft stehende unternimmt, damit so ein Fall gar nicht erst auftritt!
Der Fall ist selten, weil eigentlich bis kurz vor Ende des letzten Schuljahres eine aufnehmende Schule bereit stand, die dann im letzten Moment die Zusage zurückgezogen hat – und dann wurde es in der Tat eng.
Der Fall ist selten und wäre so auch an einer Sekundarschule passiert – dies ist jedoch schwer vorstellbar, denn der Anlass wäre nicht gegeben: warum sollten Eltern ihr Kind freiwillig mehrfach eine Klasse wiederholen lassen, wenn doch innerhalb der Schule schon im Grundsatz die Durchlässigkeit hinsichtlich der zu erreichenden Sek-I-Abschlüsse angelegt ist?
Und natürlich ist dieser Fall nicht dazu angetan, darüber noch einmal in die Diskussion über die Zukunft der Realschule in Jöllenbeck einzusteigen. Das hat niemand behauptet, sondern die örtliche Politik steht zu der damals getroffenen Aussage, die Entscheidung der Realschule zu akzeptieren und diese in Zukunft zu unterstützen. Wir erinnern uns: nach vielen Monaten des gemeinsamen Ringens um die Ausgestaltung einer möglichen Gemeinschaftsschule in Jöllenbeck hatte die Leitung der Realschule kurz vor Erreichen des formulierten Ziels den Ausstieg aus dem Konzept erklärt.
Der Fall ist allerdings dennoch dazu geeignet, die Fehlentwicklungen in der deutschen Schullandschaft zu illustrieren. Wenn grundsätzlich alle Kinder eines Jahrgangs gemeinsam bis zur 10. Klasse die gleiche Schule besuchen, sind weniger Schulabbrecher und weniger verlorene Lebenszeit die Folge. Gleichzeitig lernen die Kinder mehr und besser als in dem gegliederten deutschen System. Jede Pisa-Studie belegt diesen Zusammenhang aufs Neue. Dies wird gerne als Gleichmacherei gebrandmarkt – die Frage ist doch nur von wem und mit welcher Intention? Solange hinreichend viele Bürger dies als Argument verstehen wollen, auch weil sie selbst in Ihrem (Schul-)Leben keine andere Erfahrung machen konnten, wird die Auseinandersetzung nicht entlang der für unsere sich entwickelnde Gesellschaft besten pädagogischen Konzepte geführt, sondern entlang tradierter, nicht weiter entwickelter Vorstellungen. Das ist schade. Denn so produziert unser Schulsystem weiter jedes Jahr diverse Verlierer in allen Nuancen und zahlreiche junge Menschen ohne Schulabschluss und mit deutlich schlechteren Zukunftschancen.
Natürlich kann man über das Konzept der Sekundarschule geteilter Meinung sein. Allerdings hat es im Schul- und Sportausschuss der Stadt Bielefeld bereits im Jahre 2012 für die Entwicklung dieses Konzeptes – mit dem Auftrag es auch umzusetzen (!) – eine ungeteilte Zustimmung gegeben. Nächstes Jahr könnte es soweit sein. Man kann mit Fug und Recht behaupten, hierbei ist zumindest nichts übers Knie gebrochen worden und auch der „Brechstangen“-Vorwurf läuft ins Leere.
Moderne Zeiten - moderne Schule?
  
Bielefelder Kiebitz-Gelegeschutzprojekt
Die Biologischen Stationen Gütersloh/Bielefeld und Kreis Paderborn/Senne wurden für das Jahr 2017 erneut vom Umweltamt der Stadt Bielefeld beauftragt, Gelegeschutzmaßnahmen beim Kiebitz durchzuführen.
Aus dem Bericht der Biologischen Stationen:
Der Kiebitz ist eigentlich eine charakteristische Wiesenvogelart, die auf offenen, flachen und weitgehend strukturarmen Feucht-Grünlandflächen mit niedriger Vegetation brütet. Ein wichtiger Faktor ist die Bodenfeuchtigkeit, die im Idealfall zu zeitweiliger Überstauung von Teilbereichen führt. Diese extensiv genutzten Wiesen sind heute aufgrund von Trockenlegungen und Nutzungsintensivierungen fast nur noch in Naturschutzgebieten zu finden. Zur Förderung des Kiebitzes ist der Erhalt der verbliebenen extensiven Grünlandflächen von großer Bedeutung.
Dabei sind Maßnahmen zur Optimierung (Wiedervernässung, Anlage von Wiesenblänken) nötig, um attraktive Brutflächen zu schaffen. Wünschenswert wäre natürlich auch die Neuanlage von extensiv bewirtschafteten Grünlandflächen durch Rückumwandlung von Ackerflächen in Grünland.
Die überwiegende Anzahl der Kiebitze brütet daher heute auf Ackerflächen (Getreide, Maisäcker, Ackerbrachen), vor allem, wenn sie in den feuchten Auenbereichen liegen. Ein Problem stellt dabei die Bewirtschaftung der Schläge während der Brutzeit dar. Insbesondere die Maisaussaat im Frühjahr (Anfang Mai) mit vorangehender Bodenbearbeitung führt zu einer hohen Anzahl an Nestverlusten.
Der Gelegeschutz auf den Ackerflächen stellt inzwischen eine wichtige Maßnahme zur Förderung des zunehmend im Bestand gefährdeten Kiebitzes dar. Voraussetzung hierfür ist die Kooperationsbereitschaft der bewirtschaftenden Landwirte. Insgesamt ist die Zusammenarbeit im Jahr 2017 auch dank der Unterstützung durch die Vertreter der Landwirtschaft bis auf ganz wenige Ausnahmen gut gelaufen.
Das Land Nordrhein-Westfalen bietet verschiedene Fördermaßnahmen für den Schutz des Kiebitzes an. Die Biologischen Stationen haben die Bewirtschafter der Kiebitzflächen angesprochen, um diese hinsichtlich der Maßnahmen zu informieren und zu beraten. Trotz guter finanzieller Ausgleichszahlungen ist das Interesse für die Teilnahme am Vertragsnaturschutz unter den Landwirten gering. Zum einen wird der Aufwand bei der Antragstellung der Maßnahmen als sehr hoch empfunden. Zum anderen scheuen die Landwirte zusätzliche Kontrollen auf ihren Flächen, die mit der Teilnahme am Vertragsnaturschutz einhergehen können. In Bielefeld wurden keine gezielten Maßnahmen auf den Kiebitzflächen umgesetzt.
Soweit zur Ausgangslage. Zurück zum Bericht: Die beiden biologischen Stationen haben im Rahmen der Kiebitz-Kartierung zur Brutzeit 2017 insgesamt 33 Paare festgestellt. Darunter befanden sich 18 Paare mit Gelege und 15 weitere mit Brutverdacht. Der Bestand in der Stadt hat sich damit gegenüber dem Vorjahr um 25% erhöht. Aus den 18 Gelegen, die größtenteils auch markiert wurden, schlüpften in 10 Fällen Küken. Aus 4 Gelegen resultierten mindestens 6 flügge Junge. In den übrigen Fällen kam es zum Gelegeverlust, wahrscheinlich durch natürliche Räuber wie beispielsweise dem Fuchs. Sechs flügge Jungvögel bei 33 Elternpaaren sind nicht bestandserhaltend. D.h., der Bestand wird durch den Zuzug fremder Individuen erhalten bzw. aufgefüllt, obgleich der Kiebitz an sich sehr standorttreu ist.
Der Kiebitz im Stadtbezirk Jöllenbeck: Im Bielefelder Norden stellten insbesondere die extensiv bewirtschafteten Grünlandbrachen am Johannisbach, im östlichen Abschnitt der Johannisbachaue attraktive Neststandorte für die Kiebitze dar. Bei den vier brutverdächtigen Paaren wurden zwei Bruten gemeldet. Ein Gelegeschutz erfolgte nicht, da auf den Brachflächen keine Verluste von Nestern durch Bewirtschaftung zu erwarten waren. Störungen erfolgen auf diesen Flächen vielmehr durch die hohe Anzahl der Spaziergänger mit Hunden. Zum Schutz der Kiebitze sollte die Nutzung der Trampelpfade während der Brutzeit unterbunden werden.
Neben den Flächen bei der Johannisbachaue wurde ein Zuckerrübenacker in Vilsendorf als Brutstandort von zwei Kiebitzpaaren genutzt. Auch auf dem Nagelsholz wurden zwei Kiebitzpaare beobachtet, denen allerdings kein Gelege zugeordnet werden konnte.
Die Autoren machen auch Verbesserungsvorschläge für die Umsetzung von Schutzmaßnahmen für den Kiebitz. Geeignet wäre hierfür z.B. das „Projekt zur Schaffung von Brut-, Nahrungs- und Rückzugsflächen für Feldvogelarten in der offenen Feldflur“. Ziel des Projektes ist die Förderung der Anlage von so genannten „Feldvogelinseln“, die zur Hauptvegetationszeit nicht bewirtschaftet werden. In Ermangelung der geeigneten Brutflächen weicht der Kiebitz im Stadtgebiet von Bielefeld auf im zeitigen Frühjahr noch nicht bewachsene Ackerflächen aus, dies sind Mais- und Zuckerrübenäcker. Leider erfolgt dort die Bodenbearbeitung, Düngung und Aussaat genau in der Zeit, in der die Tiere mitten im Brutgeschäft sind.
Die Sicht der Landwirte vor Ort
Ortslandwirt Bernd Upmeier zu Belzen: „Die landwirtschaftlichen Ortsvereine Bielefeld-Nord und Bielefeld-Süd sind seit zwei Jahren an dem Kiebitz-Gelegeschutzprojekt beteiligt. Wir Landwirte sind ganz überwiegend von der Notwendigkeit des Gelegeschutzes überzeugt. Durch die Kooperation mit den biologischen Stationen erwarten wir, unsere Kenntnisse über die Standortansprüche der Kiebitze zu verbessern. Die Standorte sind in Bielefeld häufig entgegen der landläufigen Annahme nicht in feuchtem Grünland, sondern z.B. auf Maisäckern zu finden. Die Forschungsergebnisse hier im Bielefelder Norden sind daher durchaus überraschend, so viele Brut(versuche) auf unbearbeiteter Maisstoppel hatten wir nicht erwartet. Eine weitere sachkundige Betreuung durch die Biologischen Stationen ist für uns sehr wünschenswert. Dies gilt umso mehr, wenn wir daran gehen, unsere Bewirtschaftungsmaßnahmen für einen effektiveren Schutz der Kiebitze abzustimmen. Da brauchen wir die Expertise der Biologen. Auch im Hinblick auf die Fressfeinde, ich denke da an Krähen, Waschbären und Füchse, sollten wir uns austauschen.“ Auch ein weiterer Landwirt aus Jöllenbeck, Michael Kleimann, äußert sich positiv über die Zusammenarbeit mit den Biologischen Stationen: „Nicht nur der Austausch zwischen der Station und den Landwirten läuft gut, es gab auch Erfolge, z.B. in Lenzinghausen, wo Gelege gekennzeichnet/geschützt wurden.“
Die prekäre Lage der Kiebitze ist bei den Landwirten angekommen und die Bereitschaft, hier zu helfen, wurde klar formuliert, die Kooperation funktioniert und wird aktiv nachgefragt! Das ist die Botschaft, die man für das nächste Jahr mitnehmen sollte. Ja, es gibt offenbar auf den beiden Seiten unterschiedliche Erwartungshorizonte (insbesondere zur Teilnahme am Vertragsnaturschutz), aber das ist auch nicht verwunderlich – hier 100% Konzentration auf den Naturschutz, dort die Notwendigkeit, Naturschutzaspekte und die Führung eines landwirtschaftlichen Betriebes unter einen Hut zu bringen. Ohne die aktive Hilfe der Landwirte wird der Kiebitz in absehbarer Zeit aus Bielefeld verschwinden, die Rieselfelder vielleicht ausgenommen. Das will nun wirklich niemand.
Der Bericht spricht allerdings noch eine weitere Störgröße beim Brutgeschäft der Kiebitze an: Spaziergänger, die allein oder mit Hund die normalen Wege verlassen und über Trampelpfade durch die Wiesen z.B. der Johannisbachaue ziehen. Hier für Verständnis und eine Verhaltensänderung zu sorgen dürfte mehr brauchen, als lediglich ein entsprechendes Schild aufzustellen.
(Alle Fotos wurden freundlicherweise von Bernhard Walter, Biologische Station Gütersloh/Bielefeld zur Verfügung gestellt)
  
Unfreiwillig verlängerte Sommerferien
Der Schüler Felix T. (Name von der Redaktion geändert) besuchte die Realschule Jöllenbeck. Zum Ende der Erprobungsphase im Schuljahr 2016/17 gelangte das Kollegium zu der Auffassung, den Schüler nicht in die siebte Klasse versetzen zu können. Felix wurde abgeschult. Noch in den letzten Wochen des auslaufenden Schuljahres machten sich die Eltern auf die Suche nach einer neuen Schule für ihren Sohn im gesamten Umkreis, wochenlang vergeblich. Das Ferienende nahte und immer noch kein positiver Bescheid. Am ersten Schultag nach den Ferien noch einmal ein Vorsprechen in der Realschule, doch dort nur die Auskunft, Felix auch nicht nur vorübergehend beschulen zu können. Trotz allgemeiner Schulpflicht in Deutschland kam Felix in den Genuss verlängerter Sommerferien. Drei Wochen dauerte es, bis die Bezirksregierung endlich einen Platz gefunden hat. Felix besucht jetzt eine Gesamtschule.
Mit der Sekundarschule steht jetzt eine moderne Schulform für die Sekundarstufe I auch in Bielefeld in den Startlöchern, die so etwas von vornherein ausschließt. Bis Ende der Klasse 9 gibt es keine Sitzenbleiber, geschweige denn die Notwendigkeit, die Schule zu wechseln. Alle Abschlüsse der Sekundarstufe I werden angeboten, d.h. Hauptschul- und Realschulabschluss bzw. der Realschulabschluss mit der Qualifikation zum Besuch der gymnasialen Oberstufe. Von Anfang an werden auch gymnasiale Standards berücksichtigt. Mit Gymnasien, Gesamtschulen und Berufskollegs werden Vereinbarungen getroffen, die den reibungslosen Übergang nach der Klasse 10 sicherstellen.
Im Ganztagsunterricht bis ca. 16 Uhr lernen Kinder in Klassen mit maximal 25 Schülern gemeinsam bzw. werden betreut. Es gibt individuelle Lern- und Hausaufgabenzeiten.
Die Brodhagenschule in Gellershagen hat sich auf den Weg gemacht, Sekundarschule zu werden, es kommt jetzt auf die Eltern an.
Wenn Sie sich vorstellen können, in dieser Schulform das beste Konzept für Ihr Kind zu sehen, dann können Sie sich hier eingehend informieren: www.sekundarschule-bielefeld.de
Geben Sie der Zukunft eine Chance.
  
summ, summ
... Ihr Blick schweift von der Fahrbahn von Ihnen zur Seite. In dem kleinen Seitenfenster zuckelt die Landschaft vorbei. Auf langen Halmen wiegt sich das Getreide im Wind, allenthalben von blauen und roten Punkten durchsetzt, Kornblumen, Klatschmohn. PATSCH! Ein fünfmarkstückgroßer Fleck mitten auf der Windschutzscheibe. Langsam ziehen Fäden aus der gelbgrünen Masse nach oben, bis der warme Fahrtwind sie ausgetrocknet hat ...
Sofern Sie in den sechziger, siebziger oder achtziger Jahren mit dem Auto über Land gefahren sind, war spätestens beim nächsten Tankstopp ein Familienmitglied damit beschäftigt, die Frontscheibe von unzähligen Insektenresten zu befreien, falls dies nicht vom Tankwart selbst erledigt wurde. Heute können Sie quer durch die Republik fahren und am Ende die Reste der bedauernswerten Kreaturen auf Ihrer Scheibe an einer Hand abzählen. Vorbei auch die Zeit, wo Sie einen freundlichen Radfahrer an den Fliegen zwischen den Zähnen erkennen konnten. Sie sind weg. Die Insekten. Seit vielen Jahren nimmt ihre Zahl beständig ab, in den wenigen Untersuchungen, die wissenschaftlichen Kriterien standhalten, zum Teil im erschreckenden Ausmaß (bis zu 70% und mehr).
„Es ist noch zu früh, einen eindeutigen Verursacher zu benennen, uns fehlt einfach mehr belastbares Zahlenmaterial,“ erklärt Dr. Isolde Wrazidlo, Direktorin des Namu in Bielefeld, „aber die Art und Weise, in der hierzulande überwiegend Landwirtschaft betrieben wird, steuert auf jeden Fall ein gerüttelt Maß zu der Lage bei.“ Eine eMail an Rita Rehring, Pressesprecherin des WLV (Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband), vor einigen Wochen. Frage: Wie unterstützt der WLV seine Mitgliedsbetriebe in dieser Sache, gibt es vielleicht schon Handreichungen dazu? Rita Rehring meldet sich per Autotelefon: „Also wir haben gerade am Wochenende eine ausgedehnte Fahrradtour unternommen und da waren reichlich Insekten in der Luft. Wenn es in einem Jahr mal weniger sind, hat das auch mit der kühlen Witterung zu tun. Überhaupt ist das ein Thema, was die NGOs (Nicht-Regierungsorganisationen) unnötig aufbauschen!“ Nun zählt das Bundesumweltministerium nicht gerade zu den NGOs, aber wenn ein landwirtschaftlicher Verband so mit einem Thema umgeht, kann man bestenfalls davon ausgehen, dass die Tragweite des Vorgangs nicht begriffen wurde.
Unterhält man sich mit einem Landwirt, der seinen Hof noch bewirtschaftet, so wird dieser einem sehr eindeutig nahebringen, dass er sich als selbständiger Unternehmer versteht, der seinen Betrieb am Ende des Tages erfolgreich durch das Jahr bringen muss. Völlig unstreitig wird jeder ihm zubilligen, dabei auch einen Gewinn zu erwirtschaften, der u.a. die kommenden Investitionen ermöglicht und auf lange Sicht den Betrieb, den Hof, schuldenfrei an die nächste Generation zu übergeben. Betriebswirtschaft ist daher in der Ausbildung junger Landwirte ein wichtiger Schwerpunkt. Leider tauchen Insekten in der BWA (Betriebswirtschaftliche Auswertung) nicht auf. Stattdessen schlagen grotesk niedrige Verbraucherpreise unmittelbar durch – das Pfund Hackfleisch zu zwei Euro, das Kilo Hähnchenschenkel zu etwas über einem Euro (Preise aus der Werbung vom 25.8.2017), denken wir überhaupt darüber nach, welchen Irrsinn wir damit befördern?
Bislang konnten Landwirte immer darauf hoffen, dass für die entstehenden Probleme technische Lösungen gefunden wurden. Als die Traktoren die verdichteten Böden nicht mehr bearbeiten konnten, wurden die Schlepper immer stärker und größer. Mit den heutigen Spitzenmodellen ließe sich wahrscheinlich problemlos eine Furche in einen Braunkohleflöz ziehen. Immer neue Herbizide hielten die Wildkräuter auf Distanz, andere Biozide verdrängten die Schimmelpilze, z.B. den schwarzen Rost. Letzterer breitet sich inzwischen im Mittelmeerraum in einer Variante aus, die resistent gegen alle derzeit bekannten Gifte ist. Der inzwischen multiresistente Ackerfuchsschwanz sorgt dafür, dass auf einigen Flächen in Deutschland der Getreideanbau eingestellt werden mußte (Die Zeit 30/2017). Hier geht auch nicht das Motto „viel hilft viel“, dessen Anwendung beim Einsatz eines Totalherbizids für die Rekultivierung einer Brache für den Maisanbau im vergangenen Jahr die Nachtigallpopulation in der unteren Johannisbachaue ausgelöscht hat.
Und jetzt die Insekten. Deren Verschwinden bringt nicht nur Vögel, Fledermäuse, Frösche und zahlreiche weitere Tierarten in unmittelbare Bedrängnis, auch uns wird es treffen, zuallererst die Landwirtschaft. In China existieren bereits Landstriche, in denen die Bestäubung der Nutzpflanzen durch Erntehelfer vorgenommen wird. Soll es hierzulande soweit kommen?
Eine verpflichtende Umstellung des konventionellen auf einen biologischen Landbau erscheint uns illusorisch. Das mag auch so sein. Aber es gibt gangbare Wege, jetzt und sofort zu handeln, selbst wenn diese das Problem nicht gänzlich lösen werden. Vor gut 25 Jahren hat die Stadt Bielefeld ein sog. „Ackerrandstreifen-Programm“ initiiert. Dies hatte zwar vordergründig den Erhalt von Ackerwildkräutern zum Ziel, der Nebeneffekt einer besonders vielfältigen Insektenfauna wurde jedoch schon seinerzeit beschrieben. Blühstreifen-Programme gibt es heute immer noch, es machen jedoch zu wenig Landwirte mit. Warum ist die Sache mit den Insekten eigentlich so wichtig? Weil zwei Drittel der hundert wichtigsten Nutzpflanzen von der Bestäubung durch Insekten abhängig sind. Und weil wir immer noch weit davon entfernt sind zu verstehen, welche komplexen Auswirkungen die vorsätzliche Zerstörung gewachsener Ökosysteme haben wird.
Monokulturen, Insektizide, insbesondere Neonicotinoide, das Verschwinden von Auen und Feuchtwiesen, die zunehmende Rekultivierung ehemaliger Grünbachen, möglicherweise erste Auswirkungen des Klimawandels und noch andere Faktoren – alles zusammen ruiniert unsere Insektenfauna. Allen gemeinsam ist, dass menschliches Handeln ursächlich ist. Also ist es an uns, dies zu ändern.
Die landwirtschaftlichen Verbände betonen, dass an der derzeitigen Form der landwirtschaftlichen Produktion kein Weg vorbei führt. Stimmt das?  Wir stimmen jeden Tag an der Fleisch- und Gemüsetheke darüber ab. Wir bestimmen alle paar Jahre mit der Zusammensetzung von Gemeinderäten und Parlamenten über den voraussichtlichen Weg dieser Gesellschaft für die nächsten Jahre, ein Blick nach Düsseldorf kann einen in dieser Hinsicht zur Verzweiflung treiben. Beim Klimawandel haben wir den Point of no return in einzelnen Bereichen bereits überschritten. Die Auswirkungen werden unsere Kinder und Enkel im Sinne des Wortes „ausbaden“ müssen. Die Auswirkungen eines weiterhin ungebremsten Insektensterbens werden wir noch selber bezahlen dürfen, ebenso wie die immer teurere Reinigung unseres Trinkwassers von Düngemittelresten. Aber das ist eine andere Geschichte.
  
Kanugruppe der Naturfreunde
Outdoor Wassersport in Bielefeld?
Fast alles verbindet man mit Bielefeld: dass es uns nicht gibt, dass wir ein Mittelgebirge mitten in der Stadt und einige bemerkenswerte Beiträge zur Alltagskultur hervorgebracht haben (Backpulver …) - aber Kanusport? Doch nicht auf der freigelegten Lutter, oder? „Nein, unsere Paddeltouren führen uns auf ganz unterschiedliche Reviere in der Region und auch zu weiter entfernten Zielen. Aber einen ersten Vorgeschmack können alle Interessierte in Schildesche im Hallenbad der Plaßschule bekommen,“ beantwortet Thomas Wegg-Beck von der Kanugruppe der Naturfreunde, Ortsgruppe Bielefeld e.V. die Frage. In der Tat, jeden Freitag von 18 bis 20.00 Uhr findet das Hallenbad-Training am Meyer-zu-Eissen-Weg statt, aber davon später.
Jetzt stehen wir nämlich noch auf dem Meierhof in Heepen, hier befindet sich das Vereinshaus der Naturfreunde, hier lagern die Boote samt Ausrüstung auf der alten Deele und hier wird gerade das Obergeschoß der alten Leibzucht zur Boulderhalle ausgebaut (dieses Projekt der örtlichen Naturfreundejugend wurde von der NRW-Stiftung finanziell unterstützt. Durch mannigfache Eigenleistungen konnten viele Kosten aufgefangen werden). „Unsere Kanugruppe feiert dieses Jahr ihr 50-jähriges. Gut 120 Mitglieder zwischen 6 und 80 Jahren betreiben hier in Bielefeld den Kanusport, etwa die Hälfte paddelt regelmäßig. Allein 33 Termine zählt unser Paddelprogramm für das laufende Jahr, die wöchentlichen Trainingszeiten in dem Hallenbad der Plaßschule nicht mitgerechnet. Von Anfänger und Familientouren bis hin zum Wildwasser oder Freestyle, ich glaube, bei uns kommt jeder auf seine Kosten. Wobei: wir sind grundsätzlich offen für Nicht-Mitglieder und die Schnupperphase ist selbstverständlich kostenfrei, auch die Ausrüstung wird gestellt. Und grundsätzlich werden unsere Touren von erfahrenen und zertifizierten Gruppenleitern begleitet. Wir sind als offizieller Ausbilder vom DKV anerkannt, dies beinhaltet eine fortwährende Pflicht, die entsprechenden Qualifikationen zu erneuern und nachzuweisen. Nur so können wir gerade gegenüber Eltern darstellen, dass wir uns auf dem Wasser verantwortungsvoll und umsichtig verhalten. Schließlich vertrauen sie uns ihre Kinder an! Wer beim Schnuppern auf den richtigen Riecher gekommen ist, hat dreimal im Jahr die Möglichkeit, mit uns auf der Lippe eine eintägige Anfängerschulung mitzumachen. Wer weiter gehen will, hat einmal pro Jahr die Gelegenheit an einer zweitägigen Sicherheitsschulung in Theorie und Praxis teilzunehmen. Diese Schulung ist übrigens auch als Lehrerfortbildung anerkannt!“
In dem Bootshaus stehen ganz unterschiedliche Bootstypen, sowohl Kajaks als auch Kanadier, alte verschrammte und grell bunte neue sind dabei. Dies spiegelt durchaus auch die Bootsentwicklung der vergangenen Jahrzehnte wider: Material, Länge, Ausstattung, alles ist einem fortwährenden Entwicklungsprozess unterworfen. Die großen Boote, die wie auf dem Bild erkennbar aus dem Regal herausragen, kommen etwa auf 35 kg Leergewicht, die kleinen bunten Wildwasser-Kajaks nicht einmal auf 25 kg. Die Boote für Kinder unter 15 Jahren sind noch leichter.
Voraussetzung für den Kanusport: nicht wasserscheu sein und man muss schwimmen können. Letzteres können Kinder ebenfalls bei dem Hallenbad-Training erlernen und vervollkommnen, denn die erste Stunde ist jeweils fürs Schwimmen reserviert. Die Zielgruppe der Kanuten von den Naturfreunden sind junge Familien und junge Leute allgemein. Geboten werden, neben dem begleiteten Einstieg in diesen Sport, mehrtägige Touren etwa dreimal im Jahr im europäischen Ausland (Österreich, Frankreich, Niederlande), sowie ein- und mehrtägige Touren in der Region (Lippe, Hunte, Weser) und anderen Teilen der Republik. Für wirklich sportliche Menschen: die Teilnahme am 25. Kanu-Triathlon im September 2017 im Raum Paderborn/Lippe/Oerlinghausen.
Geboten wird aber auch eine ganz andere Perspektive auf die Natur, die weder Wanderer noch Radfahrer so einnehmen können. Dies in Verbindung mit der Gemeinschaft ähnlich veranlagter Menschen. Gemeinschaftserlebnis, Offenheit für neue Erfahrungen, andere Menschen, andere Umgebungen. Letztlich ein Gewinn für alle. Dabei ist es das Ziel der Naturfreunde, sinnvolle Freizeitangebote für junge Menschen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft und ihren finanziellen Möglichkeiten anzubieten.
Die Fotos vom Hallenbad-Training vermitteln einen ersten Eindruck. Klar, das Becken ist nicht sehr groß, aber die Wassertiefe lässt sich verringern, was gerade auch für Kinder einen erheblichen Vorteil bietet. Auch lassen sich grundlegende Übungen hier gefahrlos einstudieren, z.B. die Eskimorolle. Die (jungen) Kanuten sind erkennbar mit Freude dabei.
Wenn Sie dabei sein möchten: eine kurze Anmeldung/Nachfrage bei Volker Pässler, Telefon 0521/479988 oder per eMail an nafrbi-kanu@gmx.de wäre schön.
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