Im Gespräch - Blickpunkt Jöllenbeck

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Uli Spanka - 50 Jahre SPD Mitglied
Solidarität untereinander ist das Maß der Dinge
„1968 war schon ein turbulentes Jahr. Ich war damals Fachschaftssprecher E-Technik und ASTA-Mitglied in Stuttgart. Wir hatten eine Partnerschaft mit zwei Unis in Paris und bereits im Februar einen Austausch vereinbart. Zu Pfingsten erließ die französische Regierung ein Einreiseverbot für deutsche Studenten, zudem lief ein Generalstreik und alle Eisenbahnen standen still. Ein Kommilitone war Franzose und besaß eine Ente mit französischen Kennzeichen. Gemeinsam fuhren wir damit nach Paris, die Grenzkontrolle bestand auch seinerzeit lediglich in einem schnellen Durchwinken, weil im grenznahen Bereich viele nach Deutschland zum Tanken fuhren und sich entsprechende Schlangen vor der Grenze bildeten. Unsere Pariser Freunde waren sehr erfreut über unser unerwartetes Eintreffen und wir freuten uns, die ‚Revolution‘ besuchen zu können.“ Unmittelbar nach den Studentenunruhen zum 1. Mai war Uli Spanka in die SPD eingetreten: „Mir war klar, jetzt ist es an der Zeit für wirkliche Reformen, die waren dringend nötig, alle drängte zu einem Aufbruch und die SPD war für mich die einzige Partei, die dies in der Bundesrepublik umsetzen konnte.“
Nach Stuttgart folgte eine Assistentenstelle an der TU Berlin, danach ein kurzes Intermezzo an der Berufsfachschule in Halle. Die nächsten 32 Berufsjahre unterrichtete Uli Spanka an der Martin-Niemöller-Gesamtschule in Schildesche.
„So richtig aktiv in der SPD wurde ich erst hier in Theesen. Zwar lag unsere erste Wohnung in der Zirkonstraße gerade noch auf Jöllenbecker Gebiet, aber gefühlt waren wir immer Theesener. Irgendwann hat mich mein Ortsverein zum Vorsitzenden gewählt und das bin ich heute noch, seit über 25 Jahren.“ Sein Engagement richtete sich stets über das Wirken in der Partei hinaus: „Zum Beispiel der Spielplatz am Mondsteinweg, den Investor und Verwaltung offenbar vergessen wollten zu bauen, zum Beispiel das Kinderhaus am Mondsteinweg, wo wir uns dafür stark gemacht haben, dass der Trägerverein sein Konzept umsetzen durfte, zum Beispiel die Randstundenbetreuung an der Grundschule Theesen, wo ich Mitbegründer und Vorsitzender des Elternvereins bin.“ Nicht zu vergessen achtzehn Jahre in der Bezirksvertretung und zehn Jahre stellvertretender Bezirksbürgermeister.
Was bringt die Zukunft? „Im Dezember wird unser SPD Ortsverein 100 Jahre alt, das Ereignis werden wir im neuen Jahr auch feiern, gerne zusammen mit den sechs neuen Mitgliedern, die in den letzten Monaten hier eingetreten sind. Im Sommer nächsten Jahres ein weiteres kleines Jubiläum, zwanzig Jahre Spielplatzfest.“
Nach einer Einschätzung zu wichtigen kommunalpolitischen Themen gefragt, äußert Uli Spanka: „Bezogen auf die Gesamtstadt müssen wir schmerzlich erkennen, dass eine übergreifende Idee für die Stadtentwicklung fehlt, ich meine nicht nur die Verkehrsplanung. So eine Idee sollte die vielbeschworene Stadtgesellschaft dringend auf den Weg bringen. Das ein neuer Flächennutzungsplan dabei den Königsweg darstellt, wage ich zu bezweifeln, obschon er am Ende des Gestaltungsprozesses unbedingt überarbeitet werden muss.“
Vielleicht nehmen sich die sechs neuen Mitglieder dieses Themas an. Ein langer Atem und eine hohe Frustrationstoleranz sind zwar nicht Bedingung aber durchaus hilfreich bei dieser Aufgabe. Und die Fähigkeit, Netzwerke mit anderen Akteuren einzugehen, deren Kompetenz und deren Perspektive ebenfalls gebraucht werden.
  
Reinhard Heinrich wird siebzig
Jöllenbecker ist, wer sich hier einbringt
Seit nahezu vierzig Jahren lebt Reinhard Heinrich jetzt in Jöllenbeck, „wir sind damals im September 1979 hierher gezogen und haben noch die letzten Nachwehen des geplanten Flugplatzes Nagelsholz erlebt, u.a. die Demo im September 1979. Den größeren Teil meines Lebens habe ich demnach in Jöllenbeck verbracht und ja, ich fühle mich als Jöllenbecker.“
Gebürtig aus dem niedersächsischen Damme, wo seine Eltern ein kleines Haus in einer Bergarbeitersiedlung bewohnten – sein Vater war Bergmann in dem nahen Eisenerzbergwerk, verbrachte Reinhard Heinrich einen Teil seiner Schulzeit auf einem Internat in Cloppenburg, da es im näheren Umfeld kein Gymnasium gab. Anschließend Studium in Münster, dann 1976 Referendariat in NRW („ich wollte gerne nach Bielefeld, denn das Lehramtsseminar hier hatte einen guten Ruf“). Es folgte zunächst eine Stelle an der Falk-Realschule, die 1987 geschlossen wurde, die nächste Station war die Realschule Jöllenbeck, an der Reinhard Heinrich von 1985 bis 1990 unterrichtete, um dann für die letzten 21 Jahre an die Regenbogen-Gesamtschule in Spenge zu wechseln.
„Ich denke, vielen Menschen hier im Ort geht es ähnlich: über die Jahre hinweg wächst nach und nach das persönliche Umfeld, es beginnt nicht zuletzt, sofern man Kinder hat, mit den Eltern der Kindergartengruppe oder danach in der Klassenpflegschaft der Grundschule, Bekannte und Freunde kommen hinzu, man trifft Menschen, die ähnlich denken, wie man selbst, man bringt sich ein. Insofern könnte Heimat natürlich auch ganz woanders sein, für mich ist es Jöllenbeck geworden. Allerdings kann man sich hier auch leicht heimisch fühlen, die schöne Landschaft ringsum, die passende Infrastruktur, viele aufgeschlossene Mitbürger, nicht zuletzt mein Garten. Eine wirklich wunderbare Erfahrung gerade der letzten Jahre ist das Engagement von Jürik, das getragen wird von Leuten mit einer erklärtermaßen menschenfreundlichen Weltanschauung, viele davon in Kirche oder CVJM aktiv.“
Rückblickend kann Reinhard Heinrich feststellen, dass er seine selbstgesteckten Ziele überwiegend erreicht hat: im Sport (Niedersachsen-Meister in der Leichtathletik), Schule und Studium, im Lehrerberuf, in der Kommunalpolitik (Gründungsmitglied der Grünen in Jöllenbeck). Der Hobbygärtner erlebt immer wieder beglückende Momente in seinem Garten („ja, im Garten kann man durchaus seinen philosophischen Neigungen frönen“), der Hobbyfotograf erfährt viel Zuspruch für seine Jöllenbeck-Kalender. Seit einiger Zeit ist Reinhard Heinrich Mitglied in einem kleinen Literaturkreis. Das aktuell gelesene Buch trägt den Titel ‚Die Jahre‘ von Annie Ernaux, eine französische Schriftstellerin, die das Frankreich nach `68 beschreibt.
Für die nähere Zukunft hat sich Reinhard Heinrich vorgenommen, sich weiter einzusetzen und einzumischen, sich nicht entmutigen zu lassen, immer wieder Akzente zu setzen und sich in Jöllenbeck wohl zu fühlen, nicht zuletzt in seinem Garten.
  
Am Anfang stand ein Zufall
Philipp Kronsbein, Redakteur eines Bielefelder Online-Magazins für Erneuerbare Energien, spielt das Waldhorn sowohl im CVJM Posaunenchor, als auch im Feuerwehr-Musikzug. „Es begann mit einem Zufall oder auch Unfall, je nachdem, wie man es betrachtet. Mein Onkel hat Trompete gespielt und sie bei seinem Umzug zu Hause vergessen. Die habe ich dann gefunden, hineingepustet und sie vollgesabbert, zumindest war es dann erst mal meine. Mit acht Jahren hat meine Oma dann dafür gesorgt, dass ich zum Posaunenchor des CVJM gekommen bin und begonnen habe, richtig Trompete zu spielen, das war 1995. Also die Luftsäule im Instrument kontrollieren, Rhythmen auf einem Ton spielen, dann einfache Melodien und immer wieder die Tonleiter rauf und runter.“
Im CVJM Posaunenchor erhält Philipp Kronsbein Einzelunterricht, Ende der 90er spielt er mit kleineren Gruppen vor, nach der Jahrtausendwende auch im großen Chor. Seiner Erfahrung nach sind die grundlegenden Techniken des Trompetespiels innerhalb von 15 Jahren weitgehend ausgereift, da hat ein Musiker dann ca. 10.000 Stunden geübt. Allerdings werden die angehenden Blasmusiker schon deutlich früher an den Chor herangeführt, in der Regel bereits im dritten Jahr. Bis 2010 spielt Philipp Kronsbein auf der Trompete, dann wechselt er auf das Waldhorn: „Ich wollte zum Feuerwehr-Musikzug, aber Dieter Renner hat mir klargemacht, dass sie keinen Bedarf an einer weiteren Trompete hatten. Mit dem Waldhorn spielt man die tiefe Stimme in den Stücken, die Länge der Luftsäule entspricht der einer Tuba. In 2011 war es dann soweit und ich wurde im Feuerwehr-Musikzug aufgenommen.“ Während im CVJM Posaunenchor nahezu ausschließlich Jöllenbecker musizieren, kommen die Mitglieder im Feuerwehr-Musikzug aus der Region, von Rödinghausen bis Friedrichsdorf.  Eine Schwierigkeit gilt es zu meistern, wenn man in beiden Ensembles spielt: die kirchlichen Posaunenchöre spielen seit Kuhlo in der sog. klingenden Notation, was bedeutet, dass Bläser eines Posaunenchores Musik aus Gesangbüchern oder Noten für Orgel direkt mitspielen können. Im Feuerwehr-Musikzug hat jedes Instrument seine eigenen Noten, die relativ zum Grundton des Instrumentes gespielt werden. Damit können die speziellen Fähigkeiten der einzelnen Instrumente besser zur Geltung kommen, „zum Beispiel das Stopfen des Waldhorns in der Filmmusik von Ennio Morricone.“
Und man muss auch viel Zeit mitbringen! „Beide Chöre proben einmal die Woche, in besonderen Fällen, wie kurz vor einem Konzert auch schon mal jeden Tag. Ohnehin übe ich quasi jeden Tag zuhause. Aber das ist ja nichts Neues, zu Beginn ist Musik ‚Arbeit‘, je früher man da durch ist, um so besser. Durchhänger hat jeder dabei, in meinem Fall hat die Oma dann für das Durchhalten gesorgt.“
Philipp Kronsbein ist überzeugt, dass der CVJM-Posaunenchor der Gemeinschaft im Ort etwas gibt, „ich denke da beispielsweise an das Geburtstagsblasen, eine wunderbare Geste!“ Andererseits beobachtet er auch den Wandel: „Bei den älteren Jöllenbeckern ist ein sehr viel stärkerer Bezug zum Posaunenchor vorhanden, den gleichermaßen in der Jugend aufzubauen ist schwer, auch wenn in der letzten Zeit viele neue junge Mitspieler dazu gekommen sind.“ Um möglichst früh junge Talente für ein Blasinstrument zu begeistern, geht der Posaunenchor in die Grundschulen und stellt dort im Unterricht die Instrumente vor, „die Kinder treffen dann eine Wahl – entweder mehr Sport oder mehr Musik.“
Bis vor sechs Jahren haben alle Jöllenbecker Chöre zusammen mit dem Feuerwehr-Musikzug das Adventskonzert in der Marienkirche bestritten. Das die Blauröcke jetzt nicht mehr dabei sind, findet Philipp Kronsbein schade. Ob sein Musikerherz mehr zu den einen oder anderen tendiert, lässt sich ihm nicht entlocken, „aber die 200 Jahre kriegen wir noch voll - keine Frage!“

  
Drinnen ist, was draußen dran steht
Ohrginal – Hörgeräte-Akustikerin Rita Zeuner tritt in Jöllenbeck gegen etablierte Mitbewerber an
Sie sind schon knapp jenseits der fünfzig? Dann sollten Sie damit rechnen, irgendwann Anzeichen von altersabhängigen Einschränkungen Ihres Hörempfindens bei sich zu entdecken. Warten Sie nicht, bis Sie das Knistern der Schallplattennadel nicht mehr hören, sondern planen Sie stattdessen einmal jährlich einen kostenlosen und unverbindlichen Hörtest ein.
„Hören ist eine sehr emotionale Angelegenheit. Schlecht hören wird zunächst nicht wahrgenommen, dann verdrängt und weit von sich gewiesen. Während eine Brille gesellschaftlich akzeptiert ist und niemand aufgrund einer Gleitsichtbrille stigmatisiert wird, signalisiert das Tragen eines Hörgerätes offenbar für viele ‚jetzt gehöre ich zum alten Eisen‘. Statistisch gesehen, wartet jeder Betroffene etwa sieben Jahre, bis er den Schritt macht und den Weg zum Hörgeräte-Akustiker antritt, angeschubst oft durch den mehr oder weniger sanften Druck der eigenen Familie. Das sind dann sieben Jahre, in denen man sich schleichend daran gewöhnt, weniger Anteil an dem Leben ringsum zu haben. Das ist sehr schade und vor allem völlig unnötig!“
Was verschlägt eine junge Frau aus Thüringen nach Jöllenbeck? „Na klar – die Liebe! Mit sechzehn habe ich zu Hause die Ausbildung zur Hörgeräte-Akustikerin begonnen. Die einzige Berufsschule für unseren Beruf befindet sich in Lübeck, dieser Teil der dualen Ausbildung läuft dort im Blockunterricht. Nach der Gesellenprüfung habe ich meine Meisterausbildung begonnen und 2009 im Rheinland meine Prüfung bestanden. Seit 2011 lebe ich glücklich in Bielefeld, fühle mich hier richtig wohl und möchte nicht mehr weg! Zusammen mit meinem Lebenspartner konnte ich meine Ideen in unserem Geschäft am Niederwall umsetzen. Der Schritt hier nach Jöllenbeck beruht auf einem schönen Zufall. Bei einer Veranstaltung zur 800-Jahr-Feier der Stadt hatten wir unseren Stand gleich neben dem Team aus der Adler-Apotheke. Daraus entwickelte sich eine Zusammenarbeit, in deren Rahmen wir in der Apotheke Hörtests durchführten. Im Herbst letzten Jahres dann der Tipp von Frau Sonneborn mit dem leerstehenden Ladenlokal gleich nebenan. Nach einigem Nachdenken reifte unser Entschluss, hier eine zweite Filiale zu eröffnen. Mit den Jöllenbecker Firmen Nack und Führmann konnten wir die notwendigen Umbaumaßnahmen schnell umsetzen und seit Anfang Januar haben wir jetzt geöffnet!“ beschreibt Rita Zeuner ihren Weg von Thüringen nach Ostwestfalen.
Für alle Jöllenbecker, die (wieder) besser hören möchten, findet sie aus dem Angebot zahlreicher Hersteller das individuell beste Modell. Schwerpunkte liegen auf den Geräten des Herstellers Audio-Service aus Löhne und der signia-Reihe von Siemens.
Dazu Rita Zeuner: „Die Technik der Geräte entwickelt sich rasant. Zu Beginn meiner Ausbildung war alles noch analog und die Anpassung erfolgte fummelig mit kleinen Werkzeugen und war selten optimal. Heute ist das Innenleben komplett digitalisiert und die Technik ermöglicht jetzt ganz unauffällige Geräte.“ Ohrginal macht es sich zur Aufgabe, das individuell beste Hörgerät in Abhängigkeit der Lärmumgebung und den jeweiligen Einschränkungen zu finden. Dazu bedient sich Frau Zeuner einer neuartigen Anpasstechnik: Audiosus. „Ohrginal ist für dieses brandneue System als einziger Betrieb in dieser Region zertifiziert. Audiosus wurde ursprünglich für Musiker entwickelt. Der Clou ist neben der Messtechnik die fein ausdifferenzierte Programmierung für die individuelle Abstimmung.“
Hörgeräte werden nicht nur immer kleiner, die Hersteller haben auch die Farben entdeckt: „Das Spektrum ist wirklich breit, von ‚wilden‘ Farbtönen bis passend zur Haarfarbe.“ Noch viel besser wird es, wenn das Hörgerät quasi überhaupt nicht mehr zu sehen ist. „In-Ohr-Geräte sind im Vergleich sehr anspruchsvoll in ihrer Anpassung. Wir haben uns auf diese Technik früh spezialisiert, da sie dem Anwender ein besonders natürliches Hörempfinden bietet. Denn Mikrofon, Lautsprecher und die Technik dazwischen befinden sich im äußeren Gehörgang in unmittelbarer Nähe zum Trommelfell. Die Funktion der Ohrmuschel kommt uneingeschränkt zum Tragen, zum Beispiel beim Richtungshören. Jedes In-Ohr-Gerät wird einzeln individuell angefertigt. Das beginnt mit einer Silikonform, die ich hier im Laden von dem Gehörgang abnehme. Von dieser Form erstelle ich einen 3D-Scan. Diese Daten gehen zum Hersteller, der mit einem 3D-Drucker danach die Hülle produziert. Dorthinein wird von Hand die Technik eingebaut. Das Resultat ist hörenswert!“
Die Haltbarkeit bzw. Nutzungsdauer von Hörgeräten wird mit sechs Jahren angesetzt, insbesondere weil die Krankenkassen nur in diesen Abständen neue Geräte bezuschussen. Rita Zeuner empfiehlt eine technische Überprüfung und einen Hörtest zwei- bis dreimal pro Jahr: „Dieser Service ist kostenlos für jedermann!“
Als nächstes will sie sich hinsichtlich der besonderen Anforderungen von Hörgeräten für Kinder fortbilden, um hörgeschädigten jungen Menschen die Welt der Geräusche und Klänge zu eröffnen, soweit es irgend geht.
  
Jetzt in Zentrum von Jöllenbeck
Im Gleichgewicht
Es ist noch gar nicht so lange her, dass Birgit Dittrich ihre Massagepraxis Im Gleichgewicht in Jöllenbeck eröffnet hat: „Zu Beginn konnte ich nicht einschätzen wie sich die Nachfrage entwickeln würde. Daher habe ich seinerzeit einen Raum bei uns zuhause entsprechend eingerichtet, das schien mir ein vertretbares Risiko. Heute ist mein Kundenstamm so weit gediehen, dass ich das Angebot von Fabian Gehring annehmen konnte und diesen Raum im Kellergeschoss von Jürmke Sports angemietet habe.“ Damit ist Birgit Dittrich quasi im Herzen von Jöllenbeck angekommen und für ihre Kunden optimal erreichbar: zu Fuß, per Rad, per Bus oder mit dem Auto. Bis zur Spenger Straße 2 ist es nicht weit und man kann den Besuch auch ganz einfach mit anderen Dingen verbinden, die man im Ort erledigen möchte. „Es ergeben sich bestimmt auch Gelegenheiten für die Menschen, die hier das Sportstudio besuchen, die Angebote ergänzen sich durchaus,“ ist Birgit Dittrich überzeugt.
Ihr Angebot verschiedener Massagen mit unterschiedlichen Techniken hat sie jüngst erweitert. Neben der
klassischen Massage („vom Teenager bis zu Senioren über 80 – eigentlich etwas für jeden“) gab es zunächst noch die
Schröpf-Massage („das ist eine sehr intensive Anwendung, sie löst Verspannungen und kann bei ganz vielen Beschwerden eingesetzt werden – am besten im wöchentlichen Rhythmus sogar schon bei Kindern und Jugendlichen“) und die
Aiyuvedische Massage („da arbeite ich mit warmen Sesam-Öl und produziere so eine tiefgehende Entspannung, Zielgruppe in erster Linie Erwachsene“) ergänzt um
Lomi-Lomi-Nui („diese Methode kommt aus Hawaii, da verwende ich ebenfalls ein spezielles Öl und durch die Massage wird die Muskulatur gedehnt“).
Neu ist die
Honig-Zupf-Massage („durch die Zupfbewegung kann ich die verspannte Muskulatur optimal lockern – das ist wirklich ziemlich intensiv, das muss man auch aushalten mögen, aber das Ergebnis überzeugt“).
Die fünf unterschiedlichen Methoden sind kombinierbar, abhängig auch davon, welche Körperteile in die Massage einbezogen werden. Das beeinflusst auch den zeitlichen Umfang der Anwendung, die zwischen 25 und 90 Minuten dauern kann, in seltenen Fällen auch länger. Die Termine vergibt Birgit Dittrich nur nach Vereinbarung: Telefon 05206 / 99 82 661
Am 3. November ab 16.00 Uhr haben Sie die Gelegenheit, Frau Dittrich in ihrem neuen Wirkungsort kennenzulernen, ein Glas Prosecco zur Begrüßung gibt es auch …
Nur im Monat November können Neukunden von einem Kennenlernangebot profitieren: 30 Minuten Rückenmassage für nur 25,-€! Ab November führt Birgit Dittrich eine Treue-Karte ein. Nach zehn Terminen ist der elfte gratis, die vorher gebuchten Zeiten werden dabei gemittelt. Und noch ein weiteres Angebot, die Entschleunigungs-Massage für Kopf und Gesicht rundet jetzt das Programm weiter ab. Diese ist für Damen und Herren gleichermaßen geeignet. Zu guter Letzt: bei Frau Dittrich können Sie auch „Präventiv-Massagen“ erhalten, das Nähere sollten Sie telefonisch klären.
Haben Sie eigentlich schon alle Weihnachtsgeschenke? Wenn Sie sich für einen Gutschein von Im Gleichgewicht entscheiden, erhalten Sie eine kleine Überraschung gratis dazu.

  
Leipzig → Kassel → Jöllenbeck
Auf der Suche nach einer Stelle für sein Anerkennungsjahr wurde Max Hoffmann auf den CVJM Jöllenbeck aufmerksam. Dort suchte man nach dem Ausscheiden von Sebastian Beck eine verantwortliche Person als Jugendreferent für die Offene-Tür-Arbeit (OT) im Rahmen der stadtteilbezogenen Jugendarbeit.
Max Hoffmann, 23 Jahre alt und in Leipzig geboren, hat in Kassel das CVJM-Kolleg besucht. Dies ist eine Fachschule für Theologie und Sozialpädagogik. Die dreijährige Ausbildung beinhaltet zum Ende ein Anerkennungsjahr, das in einer entsprechenden Einrichtung absolviert wird. Die Praxis vor Ort wird dabei ergänzt durch Seminarwochen und eine abschließende Prüfung. Hierfür muss ein Projekt durchgeführt, schriftlich reflektiert und mündlich verteidigt werden.
Der neue Jugendreferent an der Schwagerstraße hat ursprünglich in seiner Heimatstadt Leipzig Koch gelernt. Nach Ende dieser Ausbildung und einigen Monaten in der Großküche suchte er mit einem freiwilligen sozialen Jahr (FSJ) seinen Horizont zu erweitern. Dies FSJ führte ihn zu einer Einrichtung des CVJM in der Kreuzstraße in Bielefeld. Im Verlauf dieser Tätigkeit reifte seine Erkenntnis, in diesem Bereich seine Berufung zu suchen. Das Kolleg in Kassel akzeptierte diese Zeit auch als das vorausgesetzte Praktikum. Auf der anderen Seite, so Max Hoffmann, „erreicht man mit Kochen Menschen. Gemeinsam in der Küche stehen kann Brücken bauen zwischen Generationen, zwischen Kulturen, zwischen Menschen allgemein. Der Offene Treff soll Begegnung zwischen allen Jugendlichen aus dem Quartier ermöglichen. Das gemeinsame Kochen könnte auch hierbei helfen.“
Bevor Max Hoffmann beim CVJM Jöllenbeck in die engere Wahl kam, hatte er Gelegenheit einen Tag bei Sebastian Beck in der OT-Arbeit zu hospitieren. Die anschließenden Bewerbungsgespräche empfand er als sehr offen. Sein Vertrag läuft über das Anerkennungsjahr hinaus. Max Hoffmann empfindet das eigenverantwortliche Arbeiten sehr inspirierend, die Unterstützung durch einen Mentor gibt Sicherheit in diesem anspruchsvollen Metier. Ohnehin sieht Max Hoffmann den CVJM Jöllenbeck sehr gut aufgestellt. Sehr viele engagierte Mitglieder, die facettenreichen Angebote von der Musik über Sport bis hin zu den Jugendgottesdiensten und natürlich die Gruppenarbeit. Er meint, die Offene Tür wird gut angenommen, „freitags sind schon mal 30 Jugendliche hier!“
Jetzt zu Beginn steht für ihn die Beziehungsarbeit im Vordergrund. Es gilt sowohl das Team, als auch die Besucher der OT kennenzulernen. Er hat auch schon klare Vorstellungen über die weiteren Aktivitäten: „In der OT stellen wir den Jugendlichen einen geschützten Raum zur Verfügung, in dem sie sie sein können. Das Betreuerteam moderiert, gibt Anstöße und ist da, wenn Probleme bewältigt werden müssen. Ich bin überzeugt, dass es für Jugendliche wichtig ist, an konkreten Beispielen sich zu beweisen. Daher haben wir jetzt eine Projektzeit eingeführt – immer montags vor der eigentlichen Öffnung von halb vier bis fünf. Hier lassen sich Dinge realisieren, die sonst nicht möglich wären. Gerade haben wir zusammen die Renovierung des OT-Raumes begonnen.“
Für die Herbstferien plant Max Hoffmann ein Projekt „Wir machen Radio“. Nächstes Jahr soll es auf jeden Fall wieder ein GetUp-Camp geben und zwischendurch kann er sich Zeiten mit einem intensiveren Austausch vorstellen, z.B. durch gemeinsame Übernachtungen mit Jugendlichen aus der OT im CVJM-Haus.
Jeden Freitag um 18 Uhr trifft sich eine kleinere Gruppe und bereitet zusammen Speisen vor, die ab sieben dann in der OT angeboten werden. „Das macht allen viel Spaß. Ganz nebenbei entwickeln die Jugendlichen auch eine Wertschätzung für Lebensmittel und deren Zubereitung. Lernen fürs Leben. Und lecker ist es auch!“
  
Autohaus Steinböhmer – ein gewachsener Familienbetrieb
Der Blick ist in die Zukunft gerichtet
Eine beeindruckende Firmenhistorie listet Markus Seidl, Geschäftsführer des Autohaus Steinböhmer auf: „Der Betrieb geht zurück auf ein Geschäft von Karl Steinböhmer, 1930 an der Wertherstraße gegründet. Ursprünglich mit dem Handel und Verkauf von Fahrrädern beschäftigt, kamen rasch Nähmaschinen und Motorräder hinzu, nach dem zweiten Weltkrieg auch Kraftfahrzeuge. Seit 1954 dann Verkauf und Reparatur von Volkswagen. 1986 verkauft die Familie Steinböhmer das Unternehmen an Rolf Schulz, dieser zieht nur zwei Jahre später an den neuen Standort an der Jöllenbecker Straße. 2003 übernimmt mein Vater Dietmar Seidl den Betrieb, zwei Jahre später trat ich dann in das Unternehmen ein. Seinerzeit hatten wir etwa 45 Mitarbeiter. Weitere Standorte kamen dazu: 2006 der Betrieb in Werther, 2007 der Standort in Schloß Holte – Stukenbrock, 2008 an der Eckendorfer Straße, seit 2014 die Kooperation mit dem Autohaus Berníng an der Herforder Straße. Während der Standort in Werther im Jahr 2013 wieder geschlossen wurde, konnten wir den Standort in Schloß Holte – Stukenbrock in 2015 deutlich erweitern. Heute beschäftigen wir in Summe an allen Standorten über 150 Mitarbeiter. Und dennoch sind wir ein Familienbetrieb geblieben. Wir achten auf eine flache Hierarchie, damit der Kontakt zu den Mitarbeitern erhalten bleibt. Jeder kann die Geschäftsführung auf kurzem Wege erreichen, wenn irgendwo der Schuh drückt. Wir sind immer Ansprechpartner.“
Beeindruckend ist nicht nur die Firmenhistorie, genauso wichtig ist das besondere Betriebsklima. Das lässt sich zum Beispiel daran festmachen, dass viele Mitarbeiter quasi ihr gesamtes Berufsleben im Autohaus Steinböhmer verbracht haben und inzwischen sogar in mehreren Fällen Kinder und Kindeskinder in den Betrieb eingestiegen sind. Dazu Markus Seidl: „Wir legen sehr viel Wert auf motivierte Mitarbeiter, die wir nach Möglichkeit dann auch langfristig an unser Unternehmen zu binden versuchen. Diese Bindung unterstützen wir durch Weiterbildung, Weiterentwicklung und Aufstiegschancen. Das Autohaus Steinböhmer ist Tarifpartner der IG Metall, wir zahlen nicht nur den Tariflohn, sondern engagieren uns finanziell darüber hinaus in einer zusätzlichen Betriebsrente. Ein Schwerpunkt ist die Nachwuchsgewinnung. Das beginnt beim Social Day, wo wir seit Jahren Plätze für Schüler bereitstellen, geht weiter über Praktikumsplätze in allen Bereichen, hin zu qualifizierten Ausbildungsplätzen. Wir bilden bedarfsgerecht Mechatroniker, Logistiker und kaufmännische Angestellte aus. Sofern das Engagement von beiden Seiten passt, übernehmen wir die jungen Menschen nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung.“
„Hauptsache Auto!“
Ein bemerkenswertes Beispiel dafür ist Nashbir Maski (Foto oben rechts). Der junge Mann ist 1995 in Sinjar im Irak geboren und im Alter von 15 Jahren vor dem Krieg aus dem Irak geflohen. Im Sommer 2014 startete seine Ausbildung im Autohaus Steinböhmer, in diesem Sommer hat er sie aufgrund seiner besonderen Leistungen verkürzen und erfolgreich abschliessen können. „Ich wollte immer schon Automechaniker werden, so hieß das bei uns. Aber hier in Deutschland schien mir das ewig weit weg. Allein schon die Sprache. Daher dachte ich, vielleicht ist Koch einfacher. Am Ende habe ich dann erst einmal meinen Hauptschulabschluss gemacht, danach konnte ich am Carl-Severing-Berufskolleg anfangen. Nach der Schule habe ich weitere Sprachkurse belegt. Vor drei Jahren erfuhr ich, dass Autohaus Steinböhmer noch einen freien Ausbildungsplatz hatte und ich dachte mir, versuch es einfach. Da habe ich mich kurz vor knapp beworben und durfte anfangen. Ein Traum, denn egal was ich hier mache, Hauptsache Auto! Jede Arbeit bringt neue Erfahrungen, gemeinsam im Werkstatt-Team oder selbständig allein am Kundenfahrzeug. Ich bin total glücklich hier und möchte auch noch weiterkommen,“ schildert Nashbir Maski seinen bisherigen Werdegang in Deutschland. Was er nicht erwähnt, was jedoch wirklich erwähnenswert ist: der junge Azubi Maski hat während der Ausbildung schon drei Lehrgänge in Lehrgangszentren des VW-Konzerns für besonders qualifizierte Auszubildende erfolgreich abgeschlossen! „Jetzt steigt er gleich nach der Ausbildung bereits auf Stufe vier ein,“ betont Denis Sinanovic, der Serviceleiter im Autohaus Steinböhmer.
Ein geglücktes Beispiel für Integration, was nur durch Mut, Ausdauer und Engagement auf beiden Seiten ein so guten Verlauf genommen hat. Herzlichen Glückwunsch!
Übrigens: Zum Ausbildungsjahr 2018 (Beginn 1.8.2018) sucht das Autohaus Steinböhmer aktuell sechs neue Auszubildende. Kontakt: 0521 98 65 432
  
Julia Bähr – Aufsuchende Sozialarbeit in Jöllenbeck
Seit November 2016 unterstützt Julia Bähr das Team vom CVJM in Jöllenbeck. Die auf zwei Jahre befristete halbe Stelle wird aus städtischen Mitteln finanziert. Mit ihrer Energie unterstützt sie die Regelangebote der ´Offenen Tür´, wobei die Zielgruppe geflüchtete Kinder und Jugendliche sind. Montags hat Julia Bähr ein spezielles Angebot nur für Mädchen ins Leben gerufen, donnerstags ab 15 Uhr ist der ´Offene Treff´ geöffnet für Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren, montags, mittwochs, freitags und sonntags für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren. Zwei- bis dreimal in der Woche praktiziert Julia Bähr die „aufsuchende Sozialarbeit“, sprich sie klappert das Quartier ab und versucht mit den Jugendlichen in ihrem unmittelbaren Umfeld in Kontakt zu kommen. „Und das ist nicht immer leicht, denn es gibt in Jöllenbeck keinen Ort, wo sich die Jugendlichen in erster Linie aufhalten. Unabhängig von der Witterung sind sie mal da mal dort, mal in einer größeren Gruppe, mal vereinzelt. Ein festes Muster konnte ich noch nicht erkennen“, berichtet Julia Bähr von ihren Erfahrungen des letzten halben Jahres. Unterstützung erhält sie ihren Angaben nach durch die sehr gute Zusammenarbeit mit den Schulsozialarbeitern der örtlichen Schulen, durch den Austausch mit der Flüchtlingsinitiative Jürik und den Kollegen vom Treffpunkt Oberlohmannshof. „Viele Kontakte laufen über die Schulen. Man darf nicht vergessen, dass so etwas wie unser ´Offener Treff´ für diese Kinder und Jugendliche komplettes Neuland ist, denn in ihren Herkunftsländern gibt es derartige Einrichtungen nicht. Hier müssen wir Vertrauen schaffen. Gerade Mädchen aus dieser Zielgruppe erlebe ich als sehr zurückhaltend und es ist ganz klar, dass sie eine besondere Unterstützung brauchen. Daher der Montag als Mädchentreff. Wir haben uns ein festes Programm gegeben und basteln, kochen oder spielen im 14-tägigen Rhythmus. Die Mädchen sind zwischen 11 und 17 Jahre. Ein tolles Event war das´GetUp!-Camp´ an der Weser vom 2. bis 5. Juni. Mit 28 Teilnehmern waren es doppelt so viele wie noch vor einem Jahr. Wir haben so viele Erlebnisse zusammen gehabt:,das eswürde den Rahmen sprengen, dies hier alles aufzuzählen. Auf jeden Fall soll es nächstes Jahr wieder stattfinden.“
Für Julia Bähr beginnt jetzt die Phase, intensivere Beziehungen zu den Jugendlichen aufzubauen: „Das ist sehr wichtig aber auch sehr zeitaufwendig, stabile Beziehungen brauchen einfach ihre Zeit. Und auch Raum für interkulturelle Begegnungen. Gerade hierbei war das ´GetUp!-Camp´ sehr hilfreich. Im Übrigen ist es nur in einzelnen Fällen möglich, binnen zwei Jahren beständige Erfolge zu erzielen, aber selbst die einzelnen Erfolge sind es wert.“ Ein Aspekt hilft dabei, denn sie kann eine enorm hohe Motivation bei den Jugendlichen erkennen, die deutsche Sprache zu erlernen. Und wo kann man das besser, als in Gruppen mit Gleichaltrigen, die hier aufgewachsen sind? Die älteren Jugendlichen und jungen Erwachsenen hätten auch bereits Erfahrungen machen müssen, dass die Sprachbarriere das größte Manko bei der Suche nach einer Ausbildung, einem Praktikum oder einem Job ist.
Das unmittelbare Ziel für ihre Arbeit sieht Julia Bähr in der Verstetigung der Mädchengruppe und verbesserten Kontakten zu jungen Erwachsenen ab 18 Jahren. Für die Zukunft sieht sie die Familienzusammenführung, die langsam anläuft, als große Herausforderung, die ihrer Meinung nach jedoch lösbar ist. Sie betont in diesem Zusammenhang, dass viele Jöllenbecker sich in unterschiedlicher Art und Weise ehrenamtlich engagieren und dieser Einsatz jetzt eben auch auf die geflüchteten Menschen ausgedehnt wird. Sie sieht jedoch auch das Problem der Verbindlichkeit im Ehrenamt, die gerade in der Hilfe für geflüchtete Menschen überfordernd sein kann.
Für die Zeit nach Jöllenbeck hat Julia Bähr ganz konkrete Pläne. Sie möchte nicht etwa zurück ins Extertal, wo sie aufgewachsen ist, sondern auf die andere Hälfte der Weltkugel, auf die Philippinen. Dort war sie bereits ein halbes Jahr im Anschluss an ihre Bachelor-Ausbildung „Meine freie Zeit nutze ich aktuell für eine Fernausbildung in einer Bibelschule. Denn ich möchte für mehrere Jahre auf eine Langzeit-Mission in die Region Thailand/Philippinen. Gerade in den ländlichen Regionen dort sind kirchliche Organisationen sehr aktiv und deren Arbeit ist mehr als notwendig. Das kann ganz praktische Hilfe sein für Menschen, die Opfer von Menschenhandel oder Prostitution geworden sind, das kann die Verbreitung von Gottes Wort unter den Ureinwohnern sein. Ich möchte für all diese Möglichkeiten gewappnet sein und fühle mich andererseits aber stark genug, diese Aufgabe anzugehen. Meine bisherigen Erfahrungen auf den Philippinen bestärken mich in diesem Beschluss. Die Menschen habe ich als sehr gastfreundlich erlebt, unsere Hilfe wurde gerne angenommen. Je weiter man sich auf den Philippinen von den größeren Städten entfernt, desto wichtiger wird der Erwerb der Landessprache. In den Städten kommt man mit Englisch noch sehr weit. Neben Englisch sprechen die Menschen auf den Philippinen drei weitere Sprachen, die Amtssprache Filipino/Tagalog – allerdings eher im Norden, dann Cebuano und schließlich ihren lokalen Dialekt. Daher verbringt man das erste Jahr vor Ort mit dem Spracherwerb und dem Kennenlernen der Kultur und Gebräuche. Im zweiten Jahr wechselt man dann in das Gebiet eines bestimmten Stammes und arbeitet in den lokalen Projekten mit. Der Zeithorizont für so eine Langzeit-Mission beträgt 10 Jahre mit der Möglichkeit einer Verlängerung.“
Da können wir in Jöllenbeck nur sagen, Hut ab vor so viel Mut und Entschlossenheit.

  
Jederzeit den Weg erneut einschlagen
Das langjährige Ratsmitglied Doris Brinkmann ist von ihrem Ortsverein für ein Vierteljahrhundert Mitgliedschaft in der Sozialdemokratischen Partei geehrt worden. Auf der letzten Ortsvereinsversammlung freute sich Uli Spanka, ihr die Ehrenurkunde und die silberne Ehrennadel überreichen zu dürfen. Und fürs Auge gab es einen schönen Blumenstrauß.
Vor 25 Jahren ist Doris Brinkmann in Theesen eingetreten und der Ortsvereinsvorsitzende hieß schon seinerzeit Uli Spanka. Auf die Frage, was sie dazu bewogen hatte, diesen Schritt zu tun, antwortet Doris Brinkmann: „Meine Familie und ich sind 1988 nach Theesen gezogen. Damals waren die Kinder noch klein und auch in der Nachbarschaft gab es viele Kinder. Was fehlte, war ein Spielplatz. Es hieß, am Mondsteinweg solle ein Spielplatz entstehen, allerdings gehörte nur ein Teil der Fläche der Stadt, der Rest war privat. Die Sache kam nicht voran und es bildete sich eine Elterninitiative, die auf dem städtischen Teil einen großen Sandkasten anlegte. Damit war ein Zeichen gesetzt und am Ende des teilweise denkwürdigen Prozesses wurde der Spielplatz tatsächlich umgesetzt. Diese Geschehnisse waren für mich die Initialzündung, denn ich erkannte, dass man eine aufmerksame und aktive politische Interessenvertretung unmittelbar vor Ort braucht, um Dinge positiv im Sinne der Menschen, die hier leben, verändern zu können.“
Im Ortsverein bemerkte man schnell, welche Qualitäten Doris Brinkmann in die politische Arbeit einbringen könnte und so wurde sie alsbald für die Bezirksvertretung nominiert. Anschließend folgte ein Auftrag, als sachkundige Bürgerin in verschiedenen Ratsausschüssen mitzuarbeiten. Vor zwei Jahrzehnten war das für eine junge Frau auch in der Bielefelder SPD nicht unbedingt selbstverständlich. Diesen Weg beschritt sie dann erfolgreich weiter, denn auch auf der Ratsebene machte Doris Brinkmann durch ihre konsequente und unaufgeregte Arbeit in den Ausschüssen von sich reden. Ein sicherer Listenplatz war die Folge und bis 2014 war Doris Brinkmann Mitglied des Rates der Stadt Bielefeld. Aktuell engagiert sich Doris Brinkmann als Fraktionsvorsitzende der SPD in der Bezirksvertretung Jöllenbeck und als sachkundige Bürgerin im Stadtentwicklungsausschuss, im Betriebsausschuss Immobilienservicebetrieb und im Betriebsausschuss Umweltbetrieb. Zudem ist sie noch stellvertretendes Mitglied der sachkundigen BürgerInnen im Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz.
Auf die Frage, ob sie rückblickend damals den richtigen Schritt gemacht hätte, erklärt sie ohne zu zögern, dass sie jederzeit erneut eintreten würde. Mehr noch, gerade die Kommunalpolitik ist ihr Elixier, denn hier im eigenen Beritt lässt sich tatsächlich etwas direkt bewegen: „Kommunalpolitik lebt von der erfolgreichen Arbeit im Team, alles andere ist eher Strohfeuer. Natürlich muss man sich auch auf kontroverse Diskussionen einlassen können, sowohl in der eigenen Partei, in einer Koalition und auf jeden Fall mit dem politischen Gegner. Am Ende verständigen sich die Akteure in der Regel auf eine Lösung, die dann auch umgesetzt wird. Es ist schon ein persönlicher Erfolg, wenn man merkt, es geht weiter. Ein aktuelles Beispiel aus dem Stadtentwicklungsausschuss ist unser Bemühen, Wohnraum zu schaffen. Wer die Berichterstattung der letzten Monate verfolgt hat, kann erahnen, welch dicke Bretter da mitunter gebohrt werden müssen. Da hilft nur Geduld, immer wieder nachhaken, immer wieder anstoßen. Dabei ist es offensichtlich: viele Menschen zieht es in die Stadt, ein unzureichendes Angebot lässt dann die Mieten explodieren und für junge Familien ist  schnell die Schmerzgrenze erreicht. In den USA gibt es schon lange den Trend zum zweiten oder gar dritten Job, um die eigene Familie über Wasser zu halten. So etwas können wir nicht wollen!“
Bleibt der Blick nach vorn. Im Jahr 2020 wird wieder gewählt, eine Entscheidung, erneut anzutreten, hat Doris Brinkmann noch nicht gefällt. Allerdings, bewegen kann man etwas in der Kommunalpolitik nur von innen.
  
Gesunde Entspannung in Jöllenbeck
Die Salzgrotte
„Die Idee hierzu kam mir im Urlaub in der Toskana,“ erinnert sich Nicole Reinert. Die staatlich geprüfte und zertifizierte Fachpraktikerin für Wellness, Massage, Prävention betreibt seit Ende April an der Dorfstraße in Jöllenbeck eine Salzgrotte. Nicole Reinert ist auch geprüfte Rehasport-Trainerin für Orthopädie und Aquafitness. „Die Möglichkeiten hier in der Salzgrotte passen gut zu meiner Ausbildung. In dem Trainingsraum zeige ich in der Gruppe leicht umsetzbare Übungen, die gut zu Hause gemacht werden können. Diese Hausaufgaben zeitigen bei einem kleinen Aufwand eine große Wirkung, sind also auf den Punkt gebracht. Damit möchte ich die Menschen motivieren, sie regelmäßig durchzuführen und sie nicht auf ‚morgen‘ zu verschieben. Beispiele sind Kurse mit Faszien-Training oder Sitzhocker-Gymnastik 60+, die die Koordination unterstützt und hilft, das Gleichgewicht zu behalten.“ Originär in der Salzgrotte warten zwei ganz besondere Angebote auf  die Jöllenbecker: „Ab September wird die Yoga-Trainerin Carin Rosendahl am Mittwochabend Kurse mit Salzyoga durchführen. Weiterhin wird es einmal im Monat donnerstags eine Klangschalen Meditation mit Verena Czichon geben. Gerade bei diesen beiden Angeboten sollte die Teilnahme rechtzeitig gesichert werden, bitte anrufen oder gerade vorbeikommen!“
In der Salzgrotte an der Dorfstraße sind insgesamt elf Tonnen Salz verbaut worden. „Das Salz stammt aus Pakistan. Nicht nur die Farbe ist besonders schön, sondern es enthält auch eine Vielzahl von Spurenelementen, die nach und nach freigesetzt werden, zum Beispiel Brom oder Selen. Bei einer Luftfeuchtigkeit von unter 60 % in der Salzgrotte inhaliert man die Salzionen und die Spurenelemente (Trockensalzinhalation). Entspannung in gesunder Luft zur Prophylaxe bei verschiedenen Atemwegserkrankungen, bei Hautproblemen, Schilddrüsenunterfunktion und Rheuma. Es gibt allerdings auch Gegenindikationen, im Zweifel bitte den Hausarzt fragen.“
In der Salzgrotte warten zehn bequeme Liegen auf die Besucher. Gruppentermine sind möglich, ebenso wie Besuche mit der ganzen Familie. Für kleine Kinder steht in der Salzgrotte Spielzeug bereit. Der Aufenthalt dauert eine Dreiviertelstunde, normale, bequeme Alltagskleidung ist völlig ausreichend. Nebenan gibt es noch einen Inhalationsraum, in dem eine spezielle Salzsole vernebelt wird (die Salzmischung setzt sich zusammen aus speziell dafür ausgesuchten Salzen aus den Alpen, dem Himalaya und dem Iran). Bei 100% Luftfeuchtigkeit zielt die zwanzigminütige Inhalation auf akute Erkrankungen und Beschwerden. Hier können sich maximal vier Personen gleichzeitig aufhalten. Salzsole und Salzgrotte sind kombinierbar.  
Nicole Reinert: „Mein Ziel: den Menschen in Jöllenbeck eine besondere Wohlfühlzeit anbieten. Mitzubringen sind etwas Zeit und die Offenheit für eine ganz neue Art der Entspannung. Gerne trinke ich im Anschluss noch eine schöne Tasse Tee mit ihnen.“
Schauen Sie doch mal herein, es ist etwas ganz besonderes.
  
Handy, Festnetz, Internet, Fernsehen ...
Telekommunikation braucht jeder
Kein Anschluss unter dieser Nummer oder der Teilnehmer ist zur Zeit nicht erreichbar. Ganz so schlimm muss es ja nicht kommen. Aber wahrscheinlich hat schon jeder einmal die Erfahrung gemacht, Bestandteile des Mobilfunk- oder Festnetzvertrages nicht verstanden oder zumindest falsch interpretiert zu haben. Die überbordende Zahl der Vertragsvarianten, die Winkelzüge der Bedingungen, die fehlende Vergleichbarkeit bei den Leistungen der verschiedenen Anbieter und dazu das Fachchinesisch – man wird den Verdacht nicht los, dies wird absichtlich so kompliziert gehandhabt.
„Telekommunikation ist ja deutlich mehr als nur telefonieren. Internet, Fernsehen, verschiedene Streaming-Dienste und Nachrichtenaustausch, das alles verbindet jeden von uns mit einem oder mehreren Anbietern dieser Dienstleistungen gleichzeitig. Wir nutzen diese Techniken jeden Tag. Zudem geht die Entwicklung immer weiter. Schnellere Übertragung, größere Bandbreite, leistungsfähigere Endgeräte, jetzt das sogenannte SmartHome. Auch unser persönliches Verhalten verändert sich. Das Smartphone ist zum ständigen Begleiter geworden, viele Menschen lassen sich von ihm morgens wecken und checken dabei gleich die neuesten Nachrichten. Wir sehen uns als regionaler Ansprechpartner in allen Fragen von Telefonie und Internet und den damit verbundenen Diensten. Unser Vorteil: wir sind nicht an einen einzelnen Anbieter gebunden. Stattdessen sehen wir unsere Aufgabe darin, die individuell beste Lösung für den Kunden zu finden,“ umschreibt Rainer Gebauer die Tätigkeit von telefonundmehr aus der Apfelstraße 152 in Schildesche.
Dienstags bis freitags zwischen 10 und 13 Uhr und jeden Nachmittag von Montag bis Freitag zwischen 15 und 18 Uhr ist das Ladengeschäft geöffnet. „Zusätzliche Beratungstermine sind natürlich möglich. Zur Beratung kommen wir auch gerne zum Kunden nach Hause. Bei bestimmten Fragestellungen ist die vor-Ort-Beratung ohnehin sehr wichtig, zum Beispiel immer dann, wenn es um Installationen im Haus geht.“ Diverse Telefone für Festnetzanschluss oder Mobilfunk, Internetrouter und weitere Artikel von der Smartphone-Hülle bis zum SmartHome-Wasserdetektor sind im Laden vorrätig, was fehlt, kann kurzfristig besorgt werden.
Ein Schwerpunkt von telefonundmehr ist die Tarifberatung bei Mobilfunk und Festnetz. Dies beschränkt sich nicht allein auf Neuverträge, sondern gerade Bestandskunden aller Netzanbieter können von der Expertise von Rainer Gebauer und seinem Mitarbeiter profitieren. „Bei Mobiltelefonen können wir einen Rundum-Service gewährleisten: Datenumzug und Datensicherung, Einrichtung des neuen Gerätes, Anpassungen, Reparatur und Austausch im Gewährleistungsfall,“ fährt Rainer Gebauer fort.
Zwar gibt es telefonundmehr erst seit Herbst 2015, aber das Team kann auf jahrzehntelange Erfahrung in diesem Bereich zurückblicken.
Seit ein paar Wochen fungiert telefonundmehr auch als DHL Paketshop, als Ergänzung, wenn die Informationen und Daten nicht auf Bits, Bytes oder Wellenlängen reduziert werden können.
  
Ich brauche den Stoff und an der Nadel häng ich auch!
Seit vier Monaten zeigt die Nähnadel auf den neuen Pol im Stoffuniversum: die Näh-Manufaktur an der Gunststraße/Ecke Sudbrackstraße. Okay, momentan etwas schwierig zu erreichen, die täglich sich ändernde Baustelle samt Vollsperrung auf der Sudbrackstraße hat diesen Teil Bielefelds quasi von der Außenwelt abgeschnitten – aber nur Mut und einfach der Nähnadel folgen.
„Stoff-Läden sind total gefährlich, da kann ich nur unter Aufbietung aller meiner Selbsterhaltungskräfte hindurchgehen, ohne gleich dem totalen Kaufrausch zu verfallen. Und aus Erfahrung weiß ich, anderen geht es ganz genauso. Daher gibt es hier bei mir auch keinen Stoff. Nur das Werkzeug und die Ideen, ganz unterschiedliche Sachen zu nähen und zu besticken,“ erzählt Stefanie Müller fröhlich von ihrer Passion.
Gebürtig aus Wolfsburg hat Stefanie Müller mehrere Jahre im Hotelfach verbracht, bevor sie in Herford eine Ausbildung zur bekleidungstechnischen Assistentin absolvierte. Der Weg von Herford nach Sudbrack führte über das Lenkwerk an der Stadtheider Straße, wo ihr erster eigener Laden für Nadel und Faden untergekommen war. „Ich bin Ansprechpartnerin für individuelle Ansprüche, für spezielle Auftragsarbeiten, für die Kreation neuer Dinge aus altem Stoff, Upcycling genannt. Beispiele sind Taschen, Hüllen, Bezüge, Accessoires, Kleidung mit Stickereien verschönern. Ein aktuelles Projekt sind Taschen, die aus Fotodrucken genäht werden. Auch alten Werbebannern des Lenkwerks habe ich schon zu neuen Aufgaben verholfen. Bekleidung zu nähen ist nicht mein Faible, Menschen, die auf der Suche nach einem Maßschneider sind, schicke ich hier um die Ecke eine Straße weiter. Aber all jene, die etwas total Verrücktes nähen wollen, was ihnen förmlich das Gehirn verknotet, denen kann ich oft helfen, oder wie mal eine Kundin sagte ‚mit Steffi funktionieren auch komplizierte Sachen‘,“ beschreibt Stefanie Müller ihre Ziele mit der Näh-Manufaktur.
Für die VHS ist sie ebenfalls aktiv und verantwortet die Kurse „Nähen mit und ohne Vorkenntnisse“ in Jöllenbeck. Vor Ort in der Näh-Manufaktur finden regelmäßig Kurse statt, maximal fünf Teilnehmer: „Meine Zielgruppe sind nicht nur Frauen, obgleich Jungs sich seltener fürs Nähen begeistern können. Viel Spaß habe ich auch mit Kindergeburtstagen oder Vorbereitungs-Nähen für den Junggesellinnen-Abschied."
Nähkurse gibt es an mehreren Tagen in der Woche. Jeden Dienstag ab 18.30 Uhr, an zwei Freitagen im Juni/Juli von 17.30 bis 24.00 Uhr, an drei Donnerstagen im Monat nachmittags von 16.00 bis 18.30 Uhr und am Sonnabend, 6. Mai und 5. August je eine lange Session von 10.00 bis 18.00 Uhr. In den Sommerferien können Kinder ab 10 Jahren dreitägige Nähkurse belegen. Die genauen Daten, Preise und freie Plätze erfahren Sie unter der Telefonnummer 0521/39 95 57 88 oder per eMail an kontakt@naeh-manufaktur.de. Oder gerade mal in der Gegend halten und einfach vorbeischauen, montags bis donnerstags von 10.00 bis 16.00 Uhr ist die Näh-Manufaktur geöffnet.

  
Katharina Oberschachtsiek
Neue Leitung in der Kita Vilsendorf
Seit einem dreiviertel Jahr steht die AWO-Kindertagesstätte in Vilsendorf unter einer neuen Leitung: Katharina Oberschachtsiek, gerade mal 28 Jahre jung, in Herford aufgewachsen und inzwischen in Heepen heimisch geworden. Nach dem Ende ihrer Erzieherinnenausbildung im Anna-Simsen-Berufskolleg glückte ihr der Einstieg in den großen Verbund der AWO-Kindertageseinrichtungen. In den vergangenen acht Jahren konnte sie in Spenge, Minden, Herford und Dornberg in Kitas und Familienzentren der AWO wertvolle Erfahrungen sammeln, zuletzt als stellvertretende Einrichtungsleiterin. Von 2012 bis 2016 hat Katharina Oberschachtsiek berufsbegleitend, d.h. an den Wochenenden, an der Fachhochschule in Soest den Studiengang Frühpädagogik belegt, vor einem Jahr hat sie ihren Bachelor gemacht und daraufhin die staatliche Anerkennung als Kindheitspädagogin erhalten. „Und dann habe ich die interne Stellenausschreibung bei der AWO für die Leitung der Kita hier in Vilsendorf gesehen und mich natürlich gleich beworben. Erfolgreich, denn meine Ausbildung passte sehr gut zum Anforderungsprofil. Ich freue mich sehr, dass der Wechsel hierher so gut geklappt hat. Ein wenig war es wie der Sprung ins kalte Wasser, ich kannte hier niemanden in der Einrichtung und fast alle Kolleginnen sind älter als ich. Vielleicht sind sie deshalb auch von Anfang an sehr offen gewesen für meine neuen Ideen,“ lässt Katharina Oberschachtsiek die letzten Monate Revue passieren, „die Leitung einer eigenen Einrichtung war immer mein Wunsch, jetzt habe ich diese tollen Möglichkeiten, das spornt wirklich an! Aber ich merke auch, mein Blickwinkel ändert sich.“
Ein ersten Fokus hat sie auf die Elternarbeit gelegt. Die Eltern werden auf eigenen Wunsch jetzt stärker eingebunden, mehr Transparenz wird gelebt. Auf der anderen Seite sieht Frau Oberschachtsiek auch bereits erste Erfolge: „Im Februar haben die Eltern ein Winterfest hier in der Einrichtung komplett allein organisiert, für das Sommerfest sehe ich viel Unterstützung und auch die Elternaktionen stimmen mich zuversichtlich, z.B. für den Igelgarten. Überhaupt wollen wir bald unser Außengelände umgestalten, wir sind dabei, dafür die finanziellen Mittel zu organisieren.“
An Vilsendorf schätzt Katharina Oberschachtsiek die kurzen Wege, zur Schule, zu den Kolleginnen in der Kita Hand-in-Hand. Mit dem AWO-Ortsverein bahnt sich eine verbesserte Kooperation an.
„Was ist noch neu? Ab Oktober wird es jeden zweiten Dienstag im Monat um 10.00 Uhr eine Kita-Führung geben, allerdings mit telefonischer Anmeldung,“ blickt Frau Oberschachtsiek nach vorne.
Die Kita beherbergt drei Gruppen zu je 21 Kindern im Alter von 2 bis 6 Jahren, darunter sind je sechs U3-Kinder. Übrigens: im kommenden Kindergartenjahr sind noch fünf U3-Plätze frei! Die Eltern können bei dem 35h-Angebot zwischen einer flexiblen Betreuung (ab 7.15 Uhr morgens mit langen und kurzen Tagen), einer geteilten Betreuungszeit vormittags/nachmittags oder einem festen Block (von 7.15 bis 14.15 Uhr) wählen. Alternativ gibt es die 45h-Betreuung von 7.15 bis 16.15 Uhr. Die Einrichtung ist ganzjährig geöffnet. Der Einzugsbereich umfasst neben Vilsendorf auch Teile von Jöllenbeck und Brake, wobei die Kinder überwiegend zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Kita kommen. Für die drei Gruppen gibt es gruppenübergreifende Angebote, die „großen“ Schulkinder machen Ausflüge zur Feuerwehr, ins Theater etc. Alle Kinder erkunden regelmäßig auf Spaziergänge die nähere Umgebung. „Ich hoffe sehr, dass der Supermarkt wieder geöffnet wird, denn auch Einkaufen steht bei uns mit den Kindern auf dem Programm. Momentan erhalten wir alles geliefert, aber das soll nicht als Vorbild dienen.“
Die AWO-Kita in Vilsendorf beschäftigt in der eigenen Küche eine Köchin und eine Hauswirtschaftskraft, die die Mahlzeiten täglich frisch zubereiten. „Sofern das praktikabel ist, beziehen wir die Kinder auch in die Zubereitung mit ein. Im Monat Mai beginnen wir einen speziellen Schwerpunkt mit dem Thema gesunde Ernährung. Dies bezieht sich auf das Frühstück, das die Kinder ja von zu Hause mitbringen. Indem wir spielerisch die Kinder für gesundes Essen sensibilisieren, erhoffen wir eine Rückwirkung auf die Eltern. Das ist durchaus langfristig angelegt. Wir lernen verschiedene Obst- und Gemüsesorten kennen und zuzubereiten, den Geschmack von Kräutern und Pflanzen, machen Säfte selber. Auch interkulturell. Die Kinder erleben aktiv im Tun ihre Umwelt. Und sie sollen auch Gelegenheit haben zu sehen, wo die Lebensmittel herkommen. Daher besuchen wir eine Bäckerei und schauen in der Backstube zu und gehen zu einem der Gemüsebauer in der Nähe.“
Bei alledem steht für Katharina Oberschachtsiek das Wohl der Kinder immer an erster Stelle: „Die Kita ist für die Kinder ihr zweites Zuhause. Familie, Kita und Kind – nur gemeinsam können wir dafür sorgen, das sich alle wohlfühlen. Hier sind alle Mitarbeiterinnen nah am Kind, unser Konzept sieht viel strukturelle Geborgenheit vor, die jungen Menschen sollen Bindungen eingehen können. Auf der anderen Seite lernen sie früh in der Gruppe gemeinsam Entscheidungen zu treffen, z.B. beim Morgenkreis, wann das Frühstück beginnen soll, was wo gespielt wird.“
Übrigens: Vorlesepaten werden noch gesucht!

  
Schafzucht von Willi Kronsbein
Mal was Verrücktes machen
Auf der Grenze zu Westerenger hat Willi Kronsbein einen modernen Offenstall gebaut. Große Bögen spannen einen hohen Luftraum auf, die drei Seitenwände sind modular aus Betonsteinen nach dem Lego-Prinzip aufgebaut, nach Westen hin ist der Stall offen, nur eine vorgesetzte abgespannte Plane schützt gegen Regen und Wind. Der Innenraum ist durch Gatter aufgeteilt, der Boden mit Einstreu ausgelegt. „Früher standen die Rinder auf den Höfen oft in niedrigen Boxen, die Luft war feucht, schlimmstenfalls tropfte das Kondenswasser von der Decke. Das war den beengten räumlichen Verhältnissen geschuldet und nicht gesund. Das ist heute mit diesen Stallkonstruktionen vorbei. Die Luft ist frisch, kühl und trocken. Genau die richtigen Verhältnisse für die beiden Rassen, die wir züchten, Dexter-Rinder und Berrichon du Cher Schafe,“ erläutert Willi Kronsbein sein jüngstes Projekt.
Dexter-Rinder sind eine sehr alte europäische Rinderrasse, die Mitte des 19. Jahrhunderts durch einen Herrn Dexter in Irland begründet wurde. Er kreuzte irische Bergrinder mit einer kleinwüchsigen Milchviehrasse. Herausgekommen sind Rinder, die über Generationen insbesondere bei Kleinbauern und in Nebenerwerbsbetrieben beliebt waren. Vergleichsweise unkompliziert in der Haltung, in den selten­sten Fällen aggressiv. Diese kleinsten Rinder Europas können in Fleisch- und Milchproduktion natürlich nicht mit den heutigen sogenannten „Hochleistungsrindern“ mithalten. Aber sie behaupten sich in ihrer Nische dank engagierter Züchter. In der Bundesrepublik sind aktuell etwa 1.000 Dexter-Rinder registriert. „Da drüben steht Bolle, unser Zuchtbulle. Unsere kleine Dexter-Herde besteht aus insgesamt 20 Tieren, davon neun Kälber. Neben dieser Weide hier bewirtschaften wir noch Wiesen in Bünde und am Nagelsholz,“ so Willi Kronsbein weiter.
Berrichon du Cher-Schafe stammen ursprünglich aus der Ebene von Berry in Zentralfrankreich. Ende des 19. Jahrhunderts entstand dort diese Fleischschafrasse durch eine Kreuzung der Berrichon Landschafe mit Merino-Schafen. In Frankreich wird bis heute diese Rasse mit enormer Professionalität gezüchtet: das Herdbuch verzeichnet etwa 35.000 Mutterschafe, jährlich werden 1.200 männliche Nachkommen begutachtet und nur vier dieser Böcke werden für die reinrassige Zucht in das Besamungsprogramm übernommen. Der gesamte registrierte Mutterschafbestand wird besamt, zwei Drittel davon werden trächtig, die anderen werden nochmal vor Ort gedeckt.
Berrichon du Cher Schafe gelten allgemein als anpassungsfähige Fleischschafrasse, die ob ihrer Merkmale (u.a. frühe Fruchtbarkeit, Fleischansatz) auch gerne mit anderen Schafen gekreuzt wird. Die Lämmer sind durch reichlich Wolle gegen ungünstige Witterungsverhältnisse geschützt und zeigen bereits kurz nach der Geburt eine hohe Vitalität. Dazu Willi Kronsbein: „Hier in der Gegend sind die Berrichons eher untypisch, deshalb sind wir dem Schafzuchtverband Weser-Ems beigetreten. Laut Herdbuch sind wir die einzigen Züchter in Nordrhein-Westfalen. Die farbigen Marken erlauben uns schnelle Rückschlüsse auf die beteiligten Elterntiere, denn wir betreiben hier eine Reinzucht. Jedes Tier erhält durch einen Gutachter einen Bewertungsschlüssel, der drei Merkmale beschreibt: die Wolle, die Bemuskelung und das Exterieur. Wir konnten in den letzten Jahren Zuchtschafe nach Aserbaidschan, Litauen und in die Steiermark verkaufen. Unsere Böcke wiederum stammen aus Schottland und Frankreich, die habe ich dort mit meiner Frau persönlich abgeholt.“ Einmal im Jahr werden die Tiere geschoren, in der Regel vor dem Winter, mitunter auch erst Ende März/Anfang April. Dexter-Rinder und Berrichon-Schafe sind im Offenstall durch Gatter getrennt, bevölkern die Weide ansonsten jedoch einträchtig miteinander.
„Für mich ist das hier eigentlich mehr ein Hobby, das ich zwar ernsthaft betreibe, das aber mir vor allem sehr viel Spaß bereitet. Sehr schön ist es natürlich, wenn die eigene Zucht gute Bewertungen erhält. Da fühlt man sich schon bestätigt in dem eigenen Tun. In dieser Richtung will ich das hier weiter betreiben, dies Jahr werden wir wahrscheinlich wieder einen Bock aus Schottland holen. Neben all dem anderen sollte man im Leben auch mal was Verrücktes machen. So bin ich zu den Berrichons gekommen,“ lacht Willi Kronsbein und streicht dem Mutterschaf über den Kopf.

  
25 Jahre und ein bisschen weise
Otto Eisenhardt, Sozialdemokrat aus Vilsendorf, blickt auf ein Vierteljahrhundert Mitgliedschaft in der Bezirksvertretung Jöllenbeck zurück.
Im Jahre 1977 verschlug es Otto Eisenhardt beruflich nach Bielefeld. Im gleichen Jahr meldete er sich in Vilsendorf bei der SPD an, nachdem er schon 1969 in Castrop Rauxel Mitglied geworden war. Seine ersten prägenden Erfahrungen in der neuen Heimat machte Otto Eisenhardt in den Auseinandersetzungen um den geplanten Flughafen Nagelsholz: „Die Art und Weise, wie damals von den ‚Großkopferten‘ auch in meiner Partei  Einfluss auf Entscheidungen genommen und missliebige Abstimmungsergebnisse bisweilen ignoriert und sehr einseitig Meinungsmache betrieben wurde, war für mich ganz schwer erträglich. Am Ende siegte dann die Vernunft und die Flughafen-Idee wurde nach Paderborn ausgelagert.“
Gut dreißig Baugebiete wurden in all den Jahren hier im Stadtbezirk ausgewiesen, „ich habe quasi beim Wachsen des Stadtgebietes zuschauen und mitwirken können,“ erinnert sich Otto Eisenhardt, „meine Erfahrung sagt mir, Politik macht nur in seltenen Fällen die Baugebiete, da sind Verwaltung und Investoren viel näher dran – aber Politik kann und soll lenken, auch auf der Ebene der Stadtbezirke. Es ist eine qualitative und quantitative Lenkung, z.B. was den Landschaftsverbrauch, die innere Gliederung und Struktur und die übergeordnete Gestaltung angeht. Daher ist es gut, wenn man sich auf mittelfristige Perspektiven verständigt.“
Sehr spannend empfindet Otto Eisenhardt im Nachhinein die Diskussionen um das Baugebiet Glauchauer Straße. Quer durch alle Fraktionen fand das Bemühen Anhänger, relativ kleine Grundstücke auszuweisen, um auch weniger betuchten Familien die Chance zum Hausbau zu eröffnen. „Insgesamt gesehen ist es jetzt ein schönes Baugebiet geworden,“ so Otto Eisenhardt. Und natürlich der Epiphanienweg in Vilsendorf: „Jetzt wird endlich die Straße zu Ende gebaut und erschließt die restlichen Grundstücke. Das ist gut für Vilsendorf.“ Bei diesem großen Areal hätte es sehr viel Einflussnahme aus der Politik gegeben, „die ersten Entwürfe sahen ganz anders aus.“
Seit vielen Jahren ist Otto Eisenhardt auch in den Gremien der evangelischen Kirche ehrenamtlich aktiv. Aktuell gehört er dem Bevollmächtigtenausschuss der neu gebildeten Versöhnungs-Kirchengemeinde Jöllenbeck an und zugleich dem Synodalvorstand im Kirchenkreis Bielefeld. „Ich kann nicht reinen Herzens auf zwei solcher Hochzeiten tanzen, da musste ich mich schon entscheiden,“ befindet Otto Eisenhardt. Seine Entscheidung fiel auf die intensive Mitarbeit „bei Kirchen“.
Die Kirchengemeinden entsenden Mitglieder in die Synode, die wiederum wählt den Vorstand, jeweils für acht Jahre, allerdings in einem Intervall von vier Jahren, so dass immer nur die Hälfte des Vorstands neu antritt. In dieser Form demokratisch organisiert findet sich das nur in der evangelischen Kirche von Westfalen und dem Rheinland wider. Zu den Verwaltungsaufgaben des Synodalvorstands gehört z.B. die Beratung des Haushalts des Kirchenkreises. Auch die fünfundzwanzig Kirchengemeinden und ebensoviele Kitas verlangen nach Aufmerksamkeit und Unterstützung.
„Eigentlich findet man im Ehrenamt in Politik und Kirche vielfach den gleichen Typus Mensch, oft auch in Personalunion. Es gibt in den demokratischen Parteien und in der Kirche sehr viele ähnliche Ziele – Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung – hinzu die Bereitschaft für Engagement in der Sache und für unsere Gesellschaft, kein Wunder, dass sich ähnlich tickende Menschen angesprochen fühlen, oder? Aber in der kirchlichen Selbstverwaltung gehen wir besser miteinander um. Gegensätze werden schneller überwunden, man findet schneller zusammen. Bestes Beispiel ist doch die neue Kirchengemeinde hier im Stadtbezirk!“ zieht Otto Eisenhardt sein persönliches Resümee.
Der primäre Fokus von Otto Eisenhardt hat sich verschoben, aber einmischen wird er sich weiterhin.
  
Friedhelm Schäffer mit Geschichtspreis ausgezeichnet
Gedenken braucht Wissen
Dem Jöllenbecker Historiker Friedhelm Schäffer wurde zusammen mit seinem Kollegen Oliver Nickel der Mindener Geschichtspreis 2016 verliehen. Der Mindener Geschichtsverein lobt diesen Preis nur alle drei Jahre aus, er gilt als eine sehr wichtige Auszeichnung für Arbeiten zur westfälischen Geschichte.
Friedhelm Schäffer und Oliver Nickel hatten über Jahre hinweg sehr sorgfältig die Lebensgeschichte des polnischen Zwangsarbeiters Ferdinand Matuszek recherchiert. Daraus resultierte u.a. ein Buch mit dem Titel „Ich hatte nichts gegen Deutsche, nur gegen Faschisten“, das im Dezember 2014 erschien. In dem Buch verarbeiteten die beiden zahlreiche Interviews, die sie mit Ferdinand Matuszek selbst und vielen anderen Personen aus seinem Umfeld geführt haben. Weiterhin konnten sie in Archiven zusätzliche Informationen gewinnen und so aus zahlreichen bislang isoliert stehenden Elementen ein aussagekräftiges Bild der Lage der Zwangsarbeiter während der NS-Zeit hier in der Region zeichnen. Im Februar 2015 stellten sie dieses Buch in einer Lesung im Heimathaus vor, der Blickpunkt berichtete.
Der gebürtige Jöllenbecker Volkhard Knigge, der die Gedenkstätte Buchenwald leitet, hat den Satz geprägt:
Gedenken braucht Wissen - Gedenken ohne Wissen ist Manipulation.
In dieser Tradition sehen sich auch die beiden Preisträger Schäffer und Nickel. Schäffer, als Geschichtslehrer in Minden tätig, ist mit einer 1/3-Stelle zur Wewelsburg nahe Paderborn abgeordnet und dort für die Gedenkstätte zum ehemaligen KZ zuständig. Neben Führungen in der Daueraustellung finden regelmäßig Seminare mit einem angepassten Themenspektrum für Kinder, Jugendliche und Erwachsene statt, u.a. zu Rechtsextremismus, rechter Jugendkultur und Musik und zur Menschenwürde. Sonderausstellungen und natürlich die fortdauernde Forschung finden ebenfalls auf der Wewelsburg Platz. Die Gedenkstätte ist von Dienstag bis Sonntag geöffnet. Informationen finden sich auch unter www.wewelsburg.de.
„Lokal- und Regionalgeschichte ist von gesellschaftspolitischer Relevanz, ja – ich würde sagen – Notwendigkeit,“ stellte der Vorsitzende des Mindener Geschichtsvereins Peter Kock in seiner Begrüßung bei der Verleihung fest.
Gesellschaftlich notwendig ist auch die Arbeit, der Oliver Nickel in der Dokumentationsstätte Stalag 326 in Stukenbrock nachgeht. In einem Stalag (Abkürzung für Stammlager) wurden vom Oberkommando der Wehrmacht Kriegsgefangene untergebracht. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen waren entsetzlich, es wurde nach dem Motto „Vernichtung durch Arbeit“ verfahren. Allein in Stukenbrock waren 300.000 sowjetische Kriegsgefangene interniert, etwa 65.000 von ihnen überlebten die Torturen nicht und wurden in einem nahegelegenen Gräberfeld „vergraben“. Insgesamt starben weit über 3 Millionen sowjetische Soldaten in deutscher Kriegsgefangenschaft.
Die Dokumentationsstätte in Stukenbrock ist dienstags, donnerstags und freitags von 10.00 bis 14.00 Uhr geöffnet, es finden regelmäßige öffentliche Führungen statt. Der Eintritt ist kostenlos. Weitere Informationen unter www.stalag326.de.
Friedhelm Schäffer und Oliver Nickel arbeiten bereits an ihrem nächsten Buchprojekt. Zu der Lebensgeschichte von Ferdinand Matuszek ist eine Veranstaltungsreihe ab Sommer diesen Jahres in Vorbereitung.
  
Kita Hand-in-Hand
Vilsendorf hat Potential
„Hier wohnen junge Familien, die zusammen etwas gestalten wollen und untereinander gut vernetzt sind!“ Darin sind sich Martina Lochte und Karin Ploghaus-Schürmann, die derzeitige und die zukünftige Leiterin des Familienzentrums Hand-in-Hand einig. Die Staffelübergabe erfolgt am 1. Februar. Zwei Wochen später wird Martina Lochte, die die Einrichtung seit 1999 leitet, dann im Gemeindehaus offiziell verabschiedet.
„Unsere Kita Hand-in-Hand geht zurück auf eine erste provisorische Gruppe, die Gudrun Schortemeier ab 1995 im Gemeindehaus unterhalten hat. Träger war bis vor vier Jahren der Christliche Kindergartenverein mit Pastor Cremer als Vorsitzenden. Damals ganz zu Beginn wurde hier im Ort eine Umfrage unter den Eltern durchgeführt. Mehrheitlich wurde seinerzeit für einen christlichen Träger votiert, das gab den Ausschlag. Innerhalb von nur einem halben Jahr konnte die Kita dann vier neue Gruppen aufmachen, das allein zeigt schon die Not, die damals herrschte. Das Angebot richtete sich von Beginn an Kinder von einem bis sechs Jahren, dazu hatten wir zehn Hortplätze für Schulkinder,“ erinnert sich Martina Lochte.
Viele Eltern halfen aktiv in der Bauphase der neu entstehenden Kita mit. Durch dieses ehrenamtliche Engagement konnte manche Mark gespart werden, die dann in eine bessere Ausstattung investiert wurde. „Die Einrichtung ist natürlich ganz überwiegend mit Mitteln des Jugendamts und des Landes finanziert worden. Aber es gab so viele andere ‚Baustellen‘, unser Außengelände oder die Küche, da war die Mitarbeit der Eltern sehr wertvoll,“ beschreibt Martina Lochte den Start der neuen Einrichtung. „Ja und diese Mithilfe der Eltern hörte danach auch nicht einfach auf. Sei es die tolle und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den gewählten Elternvertretern im Elternbeirat und im Rat der Tageseinrichtung. Oder die großartigen Gartenaktionen! Oder ich erinnere mich an ein Bastelwochenende, an dem Eltern hier im Werkraum Holzengel für den Weihnachtsmarkt gebaut haben. Das war eine richtig arbeitsteilig organisierte Produktion, die Engel findet man übrigens heute noch zur Weihnachtszeit in den Hauseingängen,“ ergänzt Karin Ploghaus-Schürmann.
Nach außen für jedermann sichtbar wurde dieser Zusammenhalt anlässlich des Jubiläums im zehnten Jahr: „Wir haben ein ganz tolles Fest gefeiert, beginnend mit einem Familiengottesdienst in der Epiphaniaskirche. Am Ausgang der Kirche bildete sich dann eine geschlossene Menschenkette, die tatsächlich bis hier zur Kita reichte, das war beeindruckend.“
Dann war da noch ein Sponsorenlauf. „Der Sponsorenlauf war von einer Mutter perfekt organisiert. Wir sind in der Woche davor mit den Kindern sogar ins Trainingslager gegangen …. Bei dem Lauf selbst waren die Kinder nicht zu bremsen, ein fünfjähriger Junge hat zwanzig Runden gelaufen, da hatte selbst Pastor Cremer das Nachsehen,“ schmunzelt Martina Lochte im Gedanken an dieses Event.
In einem sind sich alte und neue Leiterin hundertprozentig einig: Unsere Zukunft wird in der frühen Kindheit geprägt. Wenn wir Toleranz und gegenseitige Wertschätzung unter den Menschen erreichen möchten, dann ist das Familienzentrum der ideale Ort dies zu lernen. „Dadurch wirkt Hand-in-Hand in unsere Nachbarschaft, in unsere örtliche Gesellschaft hinein,“ ist sich Karin Ploghaus-Schürmann sicher.
Die Aktivitäten und Hilfsangebote stehen auch Nicht-Eltern offen und werden gerne angenommen, z.B. das internationale Kochen, eine offene Eltern-Kind-Gruppe jeden Freitag oder die Beratungsangebote im Haus.
Kinder der unterschiedlichsten Nationalitäten sind hier tagtäglich zusammen und erfahren eine alltagsintegrierte Sprachförderung. Ausgebildete Integrationsfachkräfte ermöglichen, dass alle Kinder, auch diejenigen mit einem zusätzlichen Förderbedarf eine gemeinsame Entwicklung erleben können.
Abschließend noch einmal die künftige Leiterin Karin Ploghaus-Schürmann: „Hier bei uns gibt es eine von allen gelebte Grundhaltung: gleiche Rechte und Pflichten, demokratische Zusammenarbeit im Team und mit den Elternvertretern. Nur so kann ein friedliches Zusammenleben in unserer Gesellschaft funktionieren, das ist die Grundlage!“
Beide Frauen verbindet übrigens noch ein Traum: „Die leerstehenden Räume des ehemaligen Fitness-Centers gleich nebenan würden wir liebend gerne wieder mit Leben füllen, mit anderen Gruppen und Einrichtungen ein soziales Zentrum für Vilsendorf wachsen lassen.“
Manchmal gehen Träume in Erfüllung.
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